Salat statt Schnitzel

Datum: Donnerstag, 01. September 2016 08:16


Für ein besseres Essen in Kita und Schule!


Mit Beginn des neuen Schuljahres heißt es für die meisten Kinder wieder: Das Mittag gibt es außer Haus. Was dabei auf den Teller kommt, ist oft genug weder schmackhaft noch gesund. Zwei aktuelle Studien haben das Mittagessen in Kitas und Schulen untersucht. Fazit: Unsere Kinder bekommen zu oft Fleisch, zu wenig Obst, Gemüse und Fisch. Das Essen ist oft zu salzig und zu fettig, durch lange Warmhaltezeiten meist unansehnlich und vitaminarm. Auch am Drumherum könnte manches verbessert werden: Die Pausenzeiten sind zu kurz, die Speisesäle zu laut und zu ungemütlich. Zudem fehlt qualifiziertes Personal.
Doch es gibt auch Positives zu berichten: Vielen Kindern schmeckt das Mittag, vor allem jüngeren. Viele Einrichtungen kennen die offiziellen Empfehlungen zur Mittagsverpflegung und berücksichtigen sie zumindest teilweise. Es gibt vorbildliche Einrichtungen, die täglich frisch kochen oder regelmäßig Aktionen rund um das Thema Ernährung veranstalten. Mit etwa 2,30 Euro liegt der Preis für ein Mittag in der Lausitz unter dem Bundesschnitt (2,83 Euro), für Kinder aus sozial schwachen Familien ist das zu viel, für eine vollwertige Mittagsmahlzeit zu wenig.
Wir haben geschaut: Wie steht es um die Verpflegung an Kitas und Schulen? Was ist gut, was kann besser werden? Was können Eltern leisten? Welche Verantwortung trägt die Politik, welche die Einrichtungen, welche die Caterer? Welcher Preis ist realistisch für eine vollwertige Mittagsmahlzeit? Was hat sich seit dem Sodexo-Skandal von 2012 geändert, bei dem viele Kinder durch verseuchte Tiefkühl-Erdbeeren an Brechdurchfall erkrankten?
Da in Kita und Schule die Ganztagsbetreuung zur Regel wird, kommt dem dort angebotenen Essen eine immer größere Bedeutung zu. Damit die Kinder tagsüber fit sind – geistig wie körperlich – brauchen sie ausgewogene, vollwertige und leckere Mahlzeiten. Wer zum Frühstück und Mittag wenig oder ungesund isst, wird Schwierigkeiten haben, dem Unterricht zu folgen. Langfristig ist eine ausgewogene Ernährung wichtig, um Übergewicht zu vermeiden. Ausgewogen heißt: Viel Obst und Gemüse und ein abwechslungsreicher Speiseplan, der zwar Nudeln und Tomatensoße anbietet, aber nicht jede Woche oder gar noch öfter.
Seit 2009 gibt es Richtlinien zur Gemeinschaftsverpflegung, entwickelt von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Auftrag des Bundesernährungsministeriums.


DGE-Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas und Schulen
Für einen 4-Wochenspeiseplan (20 Tage) sollte
folgendes berücksichtigt werden:
- Täglich Gemüse oder Salat
- Täglich Getreide oder Kartoffel
- Mindestens acht Mal Obst
- Mindestens acht Mal Milchprodukte
- Mindestens vier Mal Seefisch
- Mindestens vier Mal Vollkornprodukte
- Höchstens acht Mal Fleisch/Wurst
- Höchstens vier Mal verarbeitete Kartoffelerzeugnisse (z.B. Kroketten, Kartoffelpuffer)
- Täglich Getränke

Diese Standards sollten Grundlage dafür sein, was mittags auf die Teller kommt. Rechtlich bindend sind sie bisher nur in Berlin und im Saarland für die Schulen. In den übrigen Bundesländern liegt es in der Hand der Einrichtungen bzw. Caterer, inwieweit die Standards umgesetzt werden. Gründe, warum diese Standards nicht berücksichtigt werden, reichen von „Kennen wir nicht“ bis „Davon halten wir nichts“.
Um herauszufinden, was tatsächlich auf den Tellern der Kinder landet und wie es um die Verbreitung der DGE-Standards steht, hat die Regierung eine bundesweite Erhebung in Auftrag gegeben. 2014 wurden die Schulen befragt, 2015 folgte die Studie zu den Kitas.