Schach oder Schwimmen?

Datum: Donnerstag, 29. August 2019 14:14


Wie Kinder das passende Hobby finden – und dabeibleiben

In den vergangenen Jahren hat sich ein neues Wort in Familien eingebürgert: Freizeitstress. Immer wieder kommen Studien zu dem Ergebnis, dass Kinder unter zu viel Zeitdruck leiden und sich stattdessen mehr freie Zeit wünschen. Der Vormittag ist mit Schulunterricht voll gepackt, der Nachmittag mit Hausaufgaben, Ganztagsangeboten und außerschulischen Aktivitäten. Dazwischen fehlt Zeit zum Nichtstun. Heißt das im Umkehrschluss, Kinder sollten auf die Mitgliedschaft im Sportverein und in der Musikschule lieber verzichten? Wie Eltern den passenden Mittelweg zwischen Fördern und Freizeit finden, und warum Hobbys für Kinder durchaus wichtig sind, zeigen wir auf den kommenden Seiten.

Warum ist ein Hobby für Kinder so wichtig?
Wenn ein Kind etwas gefunden hat, für das es sich wirklich begeistern kann, dann sollte es dieser Leidenschaft regelmäßig und unter Anleitung nachgehen können. Dann sollte aus Neigung ein Hobby werden. Kinder, die regelmäßig mindestens einem festen Hobby nachgehen, profitieren davon in mehrfacher Hinsicht. Sie lernen Fleiß, Ausdauer und Disziplin. Wer so gut kicken will wie Lionel Messi oder so gut Gitarre spielen wie Ed Sheeran, der muss üben, üben, üben. Nur mit Ausdauer und Fleiß kommt man dem Können seines Idols nahe. Das lernen Kinder sehr schnell, wenn sie sich einem Hobby widmen. Wenn man sich in der Familie darauf einigt, dass nicht alle drei Monate ein neues Hobby begonnen wird, weil das bisherige doch uncool ist, dann lernen die Kinder auch noch Durchhaltevermögen. Sie lernen, dass man manchmal Durststrecken überwinden muss, dass es wichtig ist, dran zu bleiben, auch wenn das Hobby zwischendurch nicht so viel Spaß macht. Wer ein bis zwei Mal die Woche zum Training muss, der lernt früh, mit einem gewissen Zeitdruck und Stress umzugehen. Er lernt Verbindlichkeit. Er lernt, dass man zur Übungsstunde erscheinen muss, auch wenn man mal keine Lust hat. Denn die Mitspieler oder die Musiklehrerin verlassen sich darauf, dass man zum vereinbarten Termin erscheint. Die Kinder verinnerlichen durch ein Hobby also Werte, die in der heutigen Gesellschaft und v.a. später im Berufsleben elementar sind. Gerade Kindern, die in Alltag und Schule mit festen Regeln hadern, kann ein Hobby guttun.

Kinder mit einem Hobby lernen außerdem mit Misserfolgen umzugehen. Wenn es beim Wettkampf nicht für die Medaille gereicht hat, wenn man beim großen Auftritt gepatzt hat, wenn man das selbst gesteckte Ziel nicht erreicht hat, ist das für das Kind in diesem Moment extrem frustrierend, langfristig wächst es aber an solchen Misserfolgen. Wenn Eltern oder Trainer den Frust und Ärger gut auffangen und tröstend statt belehrend zur Seite stehen, dann wird das Kind sich noch mehr anstrengen. Um dann beim nächsten Mal erfolgreich zu sein.

Und genau diese kleinen und großen Erfolge, die jedes Hobby früher oder später mit sich bringt, geben dem Kind Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Gerade schüchterne, zurückhaltende, unsichere Kinder können von einem Hobby sehr profitieren, wenn sie in Wettbewerben oder Auftritten die Möglichkeit haben, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Hobbys ermöglichen Teilhabe und erweitern den Erfahrungshorizont. Kinder lernen neue Fähigkeiten, Fertigkeiten oder eignen sich Wissen an. Sie werden Profi in einem Bereich und sind darin ihren Gleichaltrigen und vielleicht sogar den Eltern überlegen.

Wer einer regelmäßigen Freizeitbeschäftigung nachgeht, der erweitert automatisch auch seinen Freundes- und Bekanntenkreis. Man schließt neue Freundschaften – außerhalb von Schule und Nachbarschaft. Für ältere Kinder und Teenager kann es wichtig sein, wenn sie im Trainer/ Vereinschef noch eine weitere erwachsene Vertrauensperson neben den Eltern haben.

Im Verein lernen Kinder ein gesundes Sozialverhalten, sie lernen Regeln in der Gemeinschaft auszuhandeln und sich an sie zu halten. Sie lernen, dass man bestimmte Dinge nur gemeinsam erreicht. Zudem bietet ein Hobby immer auch eine sinnvolle Alternative zu Bildschirmzeiten. Kinder, die auf dem Fußballplatz stehen, können in dieser Zeit nicht vor dem Fernseher oder am PC sitzen. Und das allein ist in Zeiten, in denen immer mehr Kinder immer mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen, viel wert.

Kinder, die einem festen Hobby nachgehen, befinden sich in guter Gesellschaft: Etwa 70 Prozent der Kinder im Grundschulalter sind im Sportverein und jedes fünfte Kind dieser Altersgruppe nimmt Musikunterricht.