Das Glück dieser Erde

Datum: Dienstag, 24. März 2020 14:33

Hobby Pferd: Möglichkeiten und Aufwand

Wenn Eltern merken, dass die Pferdeliebe der Kinder nicht nur eine Phase ist, sollten sie die Möglichkeit geben, dieser Begeisterung auch in der Freizeit nachzugehen. Möglichkeiten gibt es viele. Ein guter Einstieg ist das unverbindliche Ponyreiten, bei dem schnell klar wird, ob sich das Kind auf dem Pferd wohlfühlt und mehr möchte. Das kann je nach Kind und Körpergröße schon mit drei bis vier Jahren passieren. Im Vorschulalter können die Kinder auch schon in die Pflege des Pferdes einbezogen werden, also beim Füttern oder Führen helfen. Der nächste Schritt wäre dann Reitunterricht. Dafür eignet sich das Grundschulalter, Anfänger starten am besten mit Einzelunterricht an der Longe. Dabei werden sie vom Reitlehrer an der langen Leine (Longe) im Kreis geführt. Wenn das Kind halbwegs sicher auf dem Pferd ist und nicht mehr an der Longe geführt werden muss, kann man auch auf Gruppenunterricht umsteigen, zunächst in einer Anfängergruppe, später bei den Fortgeschrittenen. Beginnt das Kind schon sehr früh mit dem Reiten oder ist es eher klein, dann sollte das erste Unterrichtspferd ein Pony sein.
Wenn das Kind mehr als einfach nur zu reiten und sich auch in Wettbewerben beweisen will, kann es sich im Laufe der Grundschulzeit auf eine Disziplin spezialisieren. Zu den beliebtesten Pferdesportarten gehören das Dressur- und Springreiten, das Voltigieren, bei dem der Reiter akrobatische Kunststücke auf dem Pferderücken vollführt, und das Fahren mit der Kutsche vom Einspänner bis zum Vierspänner.

Wie finden wir die passende Reitschule?

Mittlerweile gibt es eine relativ große Auswahl an Reitschulen und Reiterhöfen, die Unterricht anbieten. Gerade in ländlichen Regionen wie der Lausitz hat man daher in der Regel die Wahl. Der Internetauftritt der Reitschule kann eine erste Orientierung geben, kann aber nicht den persönlichen Eindruck vor Ort ersetzen. Eine gute Reitschule erkennt man daran, dass es den Pferden gut geht und dass Pferde und Reitlehrer über eine gute Ausbildung verfügen.

Checkliste Reitschule:

  • Ist eine Auswahl an gut ausgebildeten Pferden in unterschiedlicher Größe vorhanden? Kleinere Kinder brauchen kleine Pferde oder Ponys.
  • Hat der Reitlehrer eine Qualifikation oder passende berufliche Ausbildung (z.B. Pferdewirt)?
  • Wirkt der Reitlehrer sympathisch, freundlich und ruhig?
  • Kann er gut mit Kindern umgehen und verfügt er über gewisse pädagogische Fähigkeiten?
  • Werden neben dem Reiten auch Theorie und Pferdepflege und Bodenarbeit vermittelt?
  • Werden die Pferde artgerecht gehalten? Haben sie die Möglichkeit des Freigangs?
  • Werden die Lehrpferde regelmäßig beritten?
  • Sind die Gruppengrößen überschaubar und erfolgt eine Einteilung nach Reit-Erfahrung?
  • Haben die Pferde gepflegte Hufe und werden sie regelmäßig medizinisch versorgt?


Wenn Sie alle oder einen Großteil der Fragen mit „ja“ beantworten können, haben Sie offensichtlich eine gute Reitschule gefunden. Einige der Fragen lassen sich beantworten, wenn man sich für einen Nachmittag vor Ort umschaut oder direkt das Gespräch mit den Mitarbeitern sucht. Wenn möglich, sollten Sie das Gespräch mit anderen Eltern und Kindern suchen, die dort bereits Unterricht nehmen und sie nach ihren Erfahrungen fragen. Übrigens: Wer nur auf den Preis achtet, spart an der falschen Stelle. Als Richtwert für eine Reitstunde sollten etwa 10 bis 20 Euro eingeplant werden. Ist der Preis deutlich günstiger, geht das unter Umständen auf Kosten der Qualität oder der Tiere. Die Nähe zum Wohnort sollte nicht das Hauptkriterium sein, aber auch bedacht werden. Können die Kinder die Reitschule allein erreichen, wenn sie älter sind?

„Indianer- und Rittershows: Beeindruckende Kunstreiter“

Eine Theateraufführung zu Pferde? Was auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich klingt, gibt es durchaus: Beim Pferdetheater bzw. -zirkus inszenieren Kunstreiter ganze Shows oder Theaterstücke, bei denen Pferde die Hauptrolle spielen. In Deutschland gibt es nur noch wenige Vereine, die diese außergewöhnliche Tradition pflegen. Einer davon hat seinen Sitz in Cottbus. Beim Ompah e.V. können Kinder ab sechs Jahren mittrainieren. Neben dem Reiten und dem Umgang mit dem Pferd lernen sie artistische und akrobatische Elemente und den Umgang mit mittelalterlichen und indianischen Waffen. Das Erlernte können die Kinder beim jährlichen Pferdetheater im Mai vor Publikum präsentieren. Mit mehr Erfahrung und steigendem Alter sind auch Teilnahmen beim Showprogramm möglich. Mit ihren Indianer- und Rittershows begeistern die Kunstreiter von Ompah regelmäßig das Publikum auf Volksfesten und Ritterturnieren in ganz Deutschland. Infos gibt es unter www.ompah.de.

Kosten und Ausrüstung

Das Pferd ist ohne Frage ein schönes Hobby, aber auch ein kostenintensives. Zu den Kosten für den Reitunterricht kommt die Anschaffung der nötigen Ausrüstung hinzu. Wer regelmäßig auf dem Pferd sitzt, braucht Helm, Stiefel, Hose und ggf. Handschuhe. Sind die Kinder im Gelände unterwegs, brauchen sie noch eine Reitweste. Da Kinder schnell wachsen, sollten Eltern schauen, was sie davon gebraucht erwerben können. Ein Fahrradhelm kann beim Ponyreiten auf dem Rummel einen Reithelm ersetzen. Will das Kind aber regelmäßig Reitunterricht nehmen, sollte es ein ausgewiesener Reithelm aus dem Fachhandel sein. Eine Alternative zu Reitstiefeln können anfangs noch klassische Stiefel oder Stiefeletten in Kombination mit Chaps sein.

Versicherungsfragen

Wer reiten lernt, wird – ebenso wie beim Laufen- und Radfahrenlernen – früher oder später auch einmal stürzen. Die Folgen eines unwahrscheinlichen, aber eben doch möglichen schweren Sturzes sollten Reiter mit einer privaten Unfallversicherung absichern. Zudem sollte die Reitschule über eine Haftpflichtversicherung für die eingesetzten Schulpferde verfügen, die auch Schäden durch Fremdreiter – also die Reitschüler – mit einschließt. Wer sich für eine Reitbeteiligung entscheidet, sollte erfragen, ob die Tierhalterhaftpflicht auch Schäden und Unfälle durch die Reitbeteiligung mit versichert. Wer ein eigenes Pferd besitzt, dem ist unbedingt eine Tierhalterhaftpflicht zu empfehlen.

Ein eigenes Pferd ...

Der Traum vieler Mädchen ist ein eigenes Pferd. Um diesen erfüllen zu können, braucht es zunächst einmal Platz – also ein Grundstück mit Stall und Auslaufmöglichkeiten. Alternativ kann man sich einen Stallplatz mieten. Bevor sich Familien fürs eigene Pferd entscheiden, sollten sie sich einen Überblick über die Anschaffungskosten und die laufenden Ausgaben verschaffen. Neben dem reinen Kaufpreis kommen die Kosten für die Ausrüstung von Sattel bis Zaumzeug dazu. Zu den laufenden Kosten gehören u.a. jene für Tierarzt und Hufschmied, Versicherung, Futter, Pflege und ggf. Ausbildung von Pferd und Reiter. Schlussendlich braucht ein eigenes Pferd viel Zeit. Wieviel – das hängt davon ab, ob das Pferd auf dem eigenen Grundstück untergebracht ist oder in einem Stall eingemietet ist, in dem auch Versorgung und Bewegen des Tieres übernommen werden. Für eine enge Beziehung zwischen Pferd und Besitzer sollte man sich täglich drei Stunden mit seinem Pferd beschäftigen und das idealerweise sieben Tage pro Woche. Ist das Pferd ein Familienhobby, können sich die Familienmitglieder die Zeit aufteilen oder aber sie verbringen gemeinsam viel Zeit mit dem Tier und an der frischen Luft. Pferdebesitzer müssen für den Urlaubs- und Krankheitsfall vorsorgen: Wer kümmert sich ums Pferd, wenn man selbst nicht kann?

... oder lieber eine Reitbeteiligung?

Diese Punkte sollte man bedenken und gemeinsam mit der Familie durchsprechen, bevor man sich für den Traum vom eigenen Pferd entscheidet. Wem Geld oder Zeit für ein eigenes Pferd fehlen, für den könnte eine Reitbeteiligung eine Alternative sein. Dazu sucht man sich einen Pferdebesitzer, den man ein Mal oder mehrmals wöchentlich bei der Pferdepflege unterstützt und dessen Pferd man ausreiten darf. In den meisten Fällen zahlt die Reitbeteiligung dafür einen monatlichen Betrag, alternativ kann man sich auch darauf einigen, dass man als Gegenleistung fürs Stallausmisten und Pferdefüttern ausreiten darf. Wer sich für eine Reitbeteiligung entscheidet, sollte alle versicherungs- und haftungsrechtlichen Fragen vorab klären und die Vereinbarungen schriftlich festhalten. Hilfreich ist es für beide Seiten, wenn die Chemie zwischen Pferdebesitzer und Reitbeteiligung stimmt. Im Internet gibt es verschiedene Foren und Portale zur Vermittlung von Reitbeteiligungen. Für Kinder kommt eine Reitbeteiligung erst ab der Pubertät in Frage, da die Kinder sich dabei tatsächlich eigenverantwortlich und verlässlich um das fremde Pferd kümmern müssen.