Die beissen nicht!

Datum: Dienstag, 30. Mai 2023 13:25

Wegweiser durch den Ratgeber-Dschungel

Wo Sie bei Problemen im Familienalltag Rat und Hilfe finden

Wenn Sie Kinder haben, steht bestimmt mindestens ein Erziehungsratgeber in Ihrem Bücherregal. Selbst wenn Sie dieser Lektüre eher skeptisch gegenüberstehen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Ihnen eine gute Freundin, Ihr Bruder oder Jemand anderes, der Ihnen nahe steht, etwas Gutes tun wollte und Ihnen genau jenen Ratgeber geschenkt hat. Es gibt ein paar Klassiker, die seit Generationen gelesen werden und die immer wieder neu aufgelegt werden. Es kommen aber auch jedes Jahr neue Ratgeber und Impulse hinzu, allein beim Verlag Gräfe Unzer mit seiner bekannten GU-Ratgeber-Reihe kommen jährlich knapp ein Dutzend Sachbücher zu den Themen Familie, Partnerschaft und Erziehung neu auf den Markt. Offenbar haben also viele Eltern das Bedürfnis, sich in Büchern Rat zu holen. Das gilt besonders dann, wenn man das erste Kind erwartet. So viele Fragen schwirren der werdenden Mama und dem werdenden Papa im Kopf herum, da können fundierte Ratschläge und bewährte Tipps ein paar Unsicherheiten beseitigen.

Die Themenbreite der Erziehungsratgeber ist so komplex wie die Herausforderungen, vor die Familien gestellt sind: Schlafen und Spielen, Stillen und Geburt, Krankheiten und Körperpflege, Geschwister und Großelternbeziehung, Pubertät und Trotzphase, Behinderung und Fehlgeburt, Paarbeziehung und Trennung, Ernährung und Essgewohnheiten.

Zu jedem dieser einzelnen Aspekte kann man zwischen mehreren Titeln wählen. Doch woran erkennt man einen guten Ratgeber? Ein erster, sehr einfacher Anhaltspunkt kann das Durchlesen der Rezensionen auf gängigen Online-Portalen sein. Wenn das Buch von der besten Freundin geschenkt oder empfohlen wurde, ist das nicht die schlechteste Voraussetzung. Ansonsten kann ein Blick auf den Autor bzw. die Autorin helfen. Ist sie oder er vom Fach, also beispielsweise Kinderarzt, Hebamme, Familienberaterin oder Ernährungsexperte? Einige Erziehungsratgeber werden von Menschen geschrieben, die hauptberuflich als Journalist oder eben Autorin arbeiten. Auch dann kann ein gehaltvolles Buch herauskommen. Übrigens: Fast alle sind selber Mutter oder Vater und können somit schon mal aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz schöpfen. Ein zweites Kriterium ist der Blick auf das Quellen- und Literaturverzeichnis am Ende des Buches. Je umfangreicher dieses ist, desto fundierter ist in der Regel der vorhergehende Inhalt. Wer noch unsicher ist, ob das Buch wirklich das Richtige ist, der kann auf die Internetseite des herausgebenden Verlags schauen. Dort findet man Leseproben zu den Büchern und kann auf ein paar Seiten reinlesen.

Nicht zuletzt werden Sie einen Ratgeber immer dann auswählen, wenn Sie das spezielle Thema interessiert und wenn Sie die Grundhaltung des Buches anspricht. Wer eher auf das Setzen enger Grenzen, auf Belohnen und Bestrafen, auf Konsequenz setzt, der wird wenig anfangen können mit Büchern, die auf „artgerechte“ Erziehung, auf Bindung und Miteinander statt auf Machtkämpfe setzen. Andererseits kann es auch ganz gut sein, sich von anderen Haltungen inspirieren zu lassen, die den eigenen Überzeugungen diametral entgegen stehen.

Braucht man überhaupt Ratgeber, um Kinder großzuziehen? Über den Sinn und Unsinn von Ratgebern kann man lange diskutieren. In jedem Fall bieten sie Inspiration und neue Anregungen, sie können hilfreiche Praxistipps für Dauerbaustellen im Familienalltag geben, sie können vor allem tröstlich für verzweifelte oder erschöpfte Eltern sein: Einfach weil sie zeigen, dass andere Eltern vor genau den gleichen Problemen stehen und weder man selbst irgendetwas falsch gemacht hat noch das Kind nicht richtig funktioniert. Warum Eltern überhaupt Ratgeber lesen und ob sie die rot markierten Ratschläge dann auch umsetzen, beantwortet der Soziologe Christian Zeller in unserem Experteninterview im Anschluss an dieses Titelthema.

Wer dennoch nichts mit Büchern anfangen kann, der kann sich Rat natürlich auch woanders holen: Es gibt mittlerweile jede Menge Internetportale, Blogs und Podcasts zu typischen Elternthemen. Hilfreich sind andere Eltern, weil die oft vor ähnlichen Hürden stehen oder standen und vielleicht schon gute Lösungen gefunden haben, die auch zum eigenen Problem passen. Wer lieber das persönliche Gespräch mit Profis sucht oder so große Probleme hat, dass auch Bücher nicht mehr weiterhelfen, der kann sich an eine Beratungsstelle wenden. Die gibt es in jeden größeren Ort, typische Anbieter sind die Diakonie, die Malteser, das DRK oder die AWO, aber auch freie Träger wie der SIN e.V. oder das Netzwerk Gesunde Kinder in Brandenburg. Kontaktdaten von Beratungsstellen findet man auf der Homepage der Kommune oder des Landkreises. Die Beratung erfolgt in der Regel kostenfrei.

Bevor wir auf den kommenden Seiten einige Erziehungsratgeber vorstellen, wollen wir noch aus einem der international erfolgreichsten Ratgeber zitieren. Das bereits 1946 erstmals erschienene Buch „Säuglings- und Kinderpflege“ des US-amerikanischen Kinderarztes Benjamin Spock gilt in den USA als das meistverkaufte Buch des 20. Jahrhunderts – nach der Bibel. In der Einleitung schreibt Spock: „Vertrauen Sie sich. Sie wissen mehr als Sie glauben. (…) Nehmen Sie nicht alles zu ernst, was die Nachbarn sagen. Lassen Sie sich nicht zu sehr von dem beeindrucken, was die Experten sagen. Fürchten Sie sich nicht, Ihren gesunden Menschenverstand zu gebrauchen.“ Das gilt auch knapp 80 Jahre später noch: Wenn Sie im Dschungel der Erziehungsratgeber nicht weiterwissen, hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.

Verlosung: Wir verlosen einige der hier vorgestellten Ratgeber auf unserer Facebook-Seite:

www.facebook.de/lausebande


Babypedia: Elterngeld, Elternzeit, Anträge, Finanzen, Rechtsfragen, Ausstattung, Checklisten, Links, Apps, Literatur
von Anne Nina Simoens und Anja Pallasch

Dieses Buch ist kein klassischer Elternratgeber, kann für werdende und junge Eltern aber trotzdem sehr hilfreich sein. Die beiden Autorinnen haben darin alle wichtigen Informationen zusammengefasst, die Eltern für die Zeit der Schwangerschaft, der Geburt und im ersten Babyjahr wissen müssen. Dabei geht es aber weniger darum, was wann im Bauch der Schwangeren passiert und wann das Baby durchschläft. Hier sind stattdessen ganz praktische Informationen aufgeführt rund um Finanzen, Rechtliches und die vielen Behördengänge, die zum Elternwerden in Deutschland leider dazu gehören. Ab wann muss ich mich um eine Hebamme kümmern, wo finde ich den für mich passenden Geburtsvorbereitungskurs, wie sage ich es meinem Arbeitgeber, welche Rechte sind mit Mutterschutz verbunden, was gilt im Falle eines Beschäftigungsverbots? Wo beantrage ich Elterngeld, Kindergeld, die Krankenversicherung fürs Kind und was brauche ich dafür alles? Wie ist das eigentlich mit Vaterschaftsanerkennung und Sorgerecht? Brauchen wir als Eltern bestimmte Versicherungen, welche steuerlichen Aspekte sollten wir berücksichtigen und sollten wir jetzt schon an die Geldanlage für den Nachwuchs denken? Was brauche ich, wenn ich mit dem Kind ins Ausland verreisen will? Brauchen Babys auch schon biometrische Passbilder? Was gehört zur Erstausstattung? Welche Apps erleichtern den Alltag mit Kind? Zwei Kapitel widmen sich den besonderen Fragen von Zwillingseltern und Alleinerziehenden. Die meisten Infos aus dem Buch könnte man sich vermutlich auch im Internet zusammensuchen, aber die Zeit haben junge Eltern selten. Hier haben sie praktischerweise alles kompakt zwischen zwei Buchdeckeln, noch dazu mit Checklisten zum Abhaken.

Paperback, 400 Seiten/ 2023, 10 Euro
ISBN 978-3-442-17564-2

Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche
von Franz Kainer und Annette Nolden

Dieser Ratgeber ist vor allem für Erstgebärende eine hilfreiche Begleitung durch die Schwangerschaft. Für jede Schwangerschaftswoche wird erklärt, was im Körper der Mama und mit dem Fötus passiert, welche Untersuchungen durch die Hebamme oder die Frauenärztin möglich und notwendig sind. Dazu werden die typischen Untersuchungsmethoden beschrieben und mögliche Ergebnisse verständlich erklärt. Das Buch geht darauf ein, was gegen Übelkeit hilft, welche Komplikationen und Risiken möglich sind und wie sich Frauen am besten auf die Geburt vorbereiten. Es gibt auch Tipps, wann man sich am besten um eine Hebamme kümmert und wann man sich zum Geburtsvorbereitungskurs anmelden sollte. Für Zuhause gibt es einige Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Schwangerschaftsgymnastik, Yoga oder Akupressur. Ergänzt wird das Buch um allgemeine Informationen dazu, was Schwangere dürfen und was sie lieber sein lassen sollten – dort geht es um Themen wie Ernährung, Sport, Sonnenbaden und Sex. Abschließend betrachtet ein ganzes Kapitel die wichtigsten Fragen, die sich jungen Eltern nach der Schwangerschaft stellen. Es geht um die Geburt, das Wochenbett und das Stillen. Ein Glossar am Ende erläutert jene Begriffe und Abkürzungen, die werdenden Eltern während der Schwangerschaft beim Arzt oder im Mutterpass begegnen. Der Autor Prof. Dr. Franz Kainer ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Sein umfangreiches Fachwissen übersetzt die Autorin Annette Nolden in eine leicht verständliche Sprache.

Hardcover, 416 Seiten / 2018, 34 Euro
ISBN 978-3-8338-6380-6

Die selbstbestimmte Geburt: Handbuch für werdende Eltern. Mit Erfahrungsberichten
von Ina May Gaskin und Ursula Fassbender

Rund um die Geburt gibt es unzählige Ratgeber. Dieser hier legt den Fokus auf eine selbstbestimmte Geburt – abseits von Kreißsälen, Wehenmitteln, PDA und Saugglocke. Autorin ist die US-amerikanische Hebamme Ina May Gaskin, die in ihrem Heimatort in Tennesse ein Geburtshaus eröffnet hat, dessen Kaiserschnittrate bei knapp zwei Prozent liegt und damit deutlich unter dem Schnitt amerikanischer, aber auch deutscher Kliniken. Die Autorin ermutigt Frauen dazu, sich und ihrem Körper eine natürliche Geburt zuzutrauen. In 13 Kapiteln geht sie auf einzelne Aspekte der Geburt ein, von der Wehentätigkeit über Gebärhaltungen bis zu möglichen Geburtsrisiken. Zudem enthält das Buch Geburtsberichte von Frauen, die schildern, wie sie ihre selbstbestimmte Geburt erlebt haben. Frauen finden in dem Buch auch Informationen zu Geburtslagen im Mutterleib, zur körperlichen Betätigung während der Geburtsvorbereitung, zu Kaiserschnittentbindungen und zur ersten Zeit nach der Geburt. Sie verdammt nicht per se eine Klinikgeburt, im Gegenteil: Jede Frau soll dort entbinden, wo sie sich am besten aufgehoben fühlt. Aber sie plädiert für eine andere Geburtshilfe in Kliniken – mit weniger ärztlichen Eingriffen und mehr 1-zu-1-Betreuung. Für alle Frauen, die auf selbst- und nicht fremdbestimmte Geburt hoffen – vielleicht sogar zu Hause oder im Geburtshaus – ist das Buch eine tolle Vorbereitung.

Hardcover, 336 Seiten
2021, 22 Euro
ISBN 978-3-466-34769-8


Das Papa-Handbuch: Alles, was Sie wissen müssen zu Schwangerschaft, Geburt und dem ersten Jahr mit Baby
von Robert Richter und Eberhard Schäfer  

Mittlerweile gibt es auch einige Erziehungsratgeber, die sich explizit an Männer richten. Wir haben uns für diese Reihe für das Papa-Handbuch entschieden. Es unterstützt werdende Väter dabei, von Anfang an in ihre neue Rolle zu wachsen. Die Autoren, selbst engagierte Väter und beruflich als Paarberater und Sexualtherapeuten mit Männer- und Väterthemen vertraut, geben jungen Vätern Tipps und Hilfen an die Hand: Sie erfahren, wie sie ihre Partnerin während Schwangerschaft und Geburt unterstützen können und wie sie selbst den Übergang vom Vaterwerden zum Vatersein gut meistern. Für die ersten Monate zu dritt gibt es ebenfalls viele Anregungen: Einschlafrituale für das Baby, Spielideen, Tipps für die Badezeit. Ergänzt wird das ganze um bebilderte Anleitungen zum richtige Tragen, Wickeln und Massieren von Säuglingen. Das Buch ermuntert Väter, ihre Rolle als Papa bewusst wahrzunehmen und auszufüllen, ihre Stärken zu sehen (Väter erziehen vielleicht anders, aber nicht schlechter als Mütter), sich gegen gut gemeinte Ratschläge von Müttern in Krabbelgruppen abzuschirmen und ihr Kind nach Herzenslust zu bevatern. Drei Kapitel am Ende des Buches widmen sich den Themen: Paar bleiben, Trennung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf inklusive den Basics zu Elternzeit und Elterngeld. Das Buch wird übrigens auch gern von Frauen gekauft: als Geschenk für ihren Partner.

Hardcover, 240 Seiten
2020, 18,99 Euro
ISBN 978-3-8338-7423-9

Jedes Kind kann schlafen lernen
von Annette Kast-Zahn, Dr. med. Hartmut Morgenroth

Wohl kaum ein Ratgeber in unserer Reihe ist so umstritten und so erfolgreich wie dieser. 1995 erstmals erschienen, wird dieses Buch noch immer nachgefragt, in der derzeit 10. Auflage. Autoren sind die Kinderpsychologin Annette Kast-Zahn und der Kinderarzt Hartmut Morgenroth. Die Beiden stellen in dem Buch die nach einem amerikanischen Arzt benannte Ferbermethode vor, wonach jedes gesunde Kind ab sechs Monaten das selbständige Einschlafen und Durchschlafen lernen könne. Vereinfacht geht es darum, das Kind müde aber allein ins Bett zu legen und dann das Zimmer zu verlassen. Wenn es anfängt zu weinen, gehen die Eltern kurz zurück um es zu beruhigen, verlassen dann aber wieder das Zimmer. Die Zeiträume, in denen das Kind allein bleibt und schreit, werden immer länger, bis es irgendwann eingeschlafen ist. Erste Erfolge zeigen sich nach wenigen Tagen. Während einige Eltern auf die Methode schwören, verurteilen andere sie als herzlos und brutal. Aber – und das betonen auch die Autoren: Wer das sich und seinem Kind nicht antun möchte, der sollte diese Methode nicht durchführen. Wer sein Kind gern abends in den Schlaf schaukelt und nachts tröstet, braucht dieses Buch nicht. Für jene Eltern aber, die sich endlich wieder nach mehr als zwei Stunden Schlaf am Stück sehnen und die wirklich nervlich am Ende sind, für diese Eltern kann die Methode ein Segen sein. Darüber hinaus bietet das Buch wissenschaftlich fundierte Aussagen rund um das Thema Schlaf bei Babys und Kindern, inklusive Erklärungen zu typischen Schlafproblemen wie Nachtschreck, Schlafwandeln und Alpträumen.

Hardcover, 177 Seiten
2013, 19,99 Euro
ISBN 978-3-8338-3618-3

Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten
von Herbert Renz-Polster und Nora Imlau

Das Buch ist eine Gegenrede zum Titel „Jedes Kind kann schlafen lernen“. Es argumentiert anhand wissenschaftlicher Fakten, warum das Schlaftraining nach der Ferbermethode für Babys und Kleinkinder ungeeignet sei. Dazu wird zunächst erläutert, dass Nähe und Geborgenheit zu den Grundbedürfnissen von Säuglingen gehören. Und genau diese Bedürfnisse wollen sie auch nachts erfüllt bekommen – oft genug zum Preis von Augenringen und totaler Erschöpfung. Der Ratgeber öffnet eine neue Perspektive auf den Schlaf von Kindern. Das Autorenteam räumt Mythen und Ängste rund um den Kinderschlaf von 0 bis 6 Jahren aus dem Weg und plädiert für eine entwicklungsgerechte, individuelle Wahrnehmung des Kindes – fernab von starren Regeln und Schlaftrainings. Das Buch kann weniger mit handfesten Tipps dienen, wie Kinder besser ein- und durchschlafen, aber es macht Eltern Mut, indem es zeigt: Wir sind nicht allein, der Weg ist anstrengend, aber es tut unserem Kind gut, wenn wir seinem Bedürfnis nach Nähe nachkommen. Der im Titel versprochene „Sanfte Weg zu ruhigen Nächten“ wird mit solchen Strategien eingelöst, welche die meisten Eltern schon kennen dürften: Tagsüber viel Bewegung an der frischen Luft, keine Bildschirm-Medien kurz vor dem Schlafengehen, eine ruhige Schlafumgebung und viel Nähe schon tagsüber. Ein Kapitel widmet sich übrigens dem Familienbett mit all seinen Vorteilen. Außerdem gibt es Informationen zum plötzlichen Kindstod.

 Hardcover, 224 Seiten
2022, 19,99 Euro
ISBN 978-3-8338-8696-6


Mein Schreibaby verstehen und begleiten: Der geborgene Weg für High Need Babys
von Susanne Mierau und Anja Constance Gaca

Eltern, deren Baby viel schreit, finden in diesem Buch einen hilfreichen Ratgeber. Zum einen ist es tröstlich, weil die Eltern hier erfahren: Es geht auch anderen Eltern so, nicht nur unser Baby schreit so viel. Zudem beantwortet es die Frage: Warum schreit mein Baby so viel und was kann ich dagegen tun? Der erste Teil vermittelt mehr theoretisches Wissen und erklärt mögliche Ursachen für vermehrtes Schreien und Weinen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich, sie reichen von Regulationsstörungen über Hochsensibilität bis hin zu organischen Ursachen und Traumata während der Geburt. Diese Babys haben besonders starke Bedürfnisse: Sie weinen oder schreien viel, lassen sich kaum ablegen und können nur im Körperkontakt mit ihren Eltern schlafen. Solche 24-Stunden-Babys sind für die Eltern eine echte Herausforderung. Im Praxisteil des Ratgebers bekommen sie praktische Alltagstipps, wie sie ihr Kind mit seinen Anliegen annehmen und unter den erschwerten Bedingungen eine gute Bindung aufbauen können. Großes Gewicht wird dabei darauf gelegt, dass sich die Mütter auch mal um sich selber kümmern und Aufgaben an den Partner, die Großeltern, Freunde und Nachbarn delegieren. Den Ratgeber können übrigens alle Eltern mit Neugeborenen lesen – unabhängig davon, wie oft und wie lange das eigene Kind schreit. Denn er hilft, die Bedürfnisse von Babys zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren.

Paperback, 128 Seiten
2018, 14,99 Euro
ISBN 978-3-8338-6558-9

Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren
von Remo H. Largo

1993 erstmals erschienen, gilt das Buch des renommierten Schweizer Kinderarztes Remo H. Largo heute als Standardwerk. Es ist ein Erziehungsbuch für die ersten vier Lebensjahre, in dem es die wichtigsten Entwicklungsschritte erläutert und Eltern somit an die Bedürfnisse ihrer Kinder heranführt. Dem Autor gelingt es einerseits, die Entwicklungsstadien inklusive der Normvorstellungen darzustellen, andererseits aber zu verdeutlichen, dass jedes Kind einzigartig ist und in seiner Individualität von den Eltern angenommen werden sollte. Eltern können also entspannt bleiben, wenn ihr Kind noch nicht krabbelt, obwohl das zwei Monate jüngere Nachbarsmädchen längst mobil ist. Die einzelnen Entwicklungsschritte, die jedes Kind früher oder später durchlebt, werden mit Grafiken veranschaulicht. Die Schaubilder beruhen auf den Daten der Zürcher Longitudinalstudien, in denen die Entwicklung von der Geburt bis ins Erwachsenenalter bei mehr als 700 Kindern ausführlich untersucht worden ist. Sie sollen verdeutlichen, wie groß die Vielfalt in allen Entwicklungsbereichen ist und dass Normvorstellungen den Kindern daher nicht entsprechen können. In einzelnen Kapiteln handelt Largo die unterschiedlichen Entwicklungsbereiche ab: Schreien, Schlafen, Bewegung, Spielen, Ernährung, Wachstum, Trockenwerden und Beziehungen. Im Anhang am Ende des Buches finden Eltern einige praktische Tools wie Gewichts- und Längenkurven, Meilensteine in der Entwicklung von Kindern und ein Schlafprotokoll.

Paperback, 576 Seiten
2019, 18 Euro
ISBN 978-3-492-30684-3

Oje, ich wachse
von Hetty van de Rijt, Frans X. Plooij und Xaviera Plooij

Mit einer Million verkauften Exemplaren im deutschsprachigen Raum ist „Oje, ich wachse!“ einer der Klassiker unter den Erziehungsratgebern. Die renommierten Entwicklungspsychologen Dr. Hetty van de Rijt und Dr. Frans X. Plooij fanden heraus, dass jedes Baby in den ersten anderthalb Lebensjahren zehn große Sprünge in seiner geistigen Entwicklung durchlebt und dass diese aufregenden, doch oft als Krisenzeiten erlebten Wachstumsphasen immer dem gleichen Rhythmus folgen. In diesem Buch haben sie ihre Erkenntnisse leicht verständlich aufgeschrieben. In diesen Sprüngen lernen Kinder beispielsweise Sinneseindrücke zu verarbeiten, Muster zu erkennen, Reihenfolgen und Kategorien zu begreifen. Die große Herausforderung für Eltern besteht darin, dass die Sprünge fast immer mit einer „schwierigen“ Phase einhergehen, in der das Kind sehr weinerlich ist oder viel schreit. Aber allein das Wissen, dass diese Phase mit einem Entwicklungsschritt einhergeht und eben nur eine Phase ist, kann schon sehr tröstlich sein. Eltern sollten sich nicht verunsichern lassen, wenn ihr Kind nicht in dem vorgegebenen Zeitraum eben jenen Sprung macht oder bestimmte Dinge erst später kann. Ein Bonus für Eltern sind die Entdeckungslisten, Übungen und der persönliche Sprünge-Kalender zum Ausfüllen. So können Eltern die Welt durch die Augen ihres Babys entdecken und für später dokumentieren.

Paperback, 448 Seiten
2019, 12 Euro
ISBN 978-3-442-17823-0

Breifrei für Babys
von Lena Merz und Annina Schäflein

Während die heutige Elterngeneration noch klassisch mit Brei aufgewachsen ist, gibt es seit einigen Jahren einen gegenläufigen Trend: Baby-led weaning – breifrei für Babys. Dabei bekommen Babys keinen Brei vorgesetzt, sondern entscheiden aus verschiedenen Angeboten selbst, was sie brauchen und was ihnen schmeckt. Das können Waffeln, Bratlinge oder Brot sein. Wer das ausprobieren möchte oder damit schon gute Erfahrungen gemacht hat, findet in diesem Buch die Breifrei-Grundlagen und die passenden Rezepte. Das Buch begleitet die babygeleitete Entwöhnung von der Brust bzw. Flasche und die schrittweise Einführung der Beikost. Dabei verzichtet die Methode bewusst auf starre Ernährungspläne und richtet sich stattdessen nach den Bedürfnissen des Kindes. Die Rezepte vereinen den elterlichen Wunsch nach gesunder Ernährung mit der kindlichen Neugier auf neue Lebensmittel, die sie auch gern anfassen und selbst in den Mund führen wollen. Die Rezepte sind so ausgewählt, dass Baby, Eltern und eventuell ältere Geschwister sie gemeinsam essen können. Jedes Rezept ist mit einem Foto sowie Angaben zu den Portionen, der Zubereitungszeit und den Kalorien versehen. Außerdem gibt es viele zuckerfreie Alternativen zu den bei Kids beliebten Klassikern wie Schokoladenaufstrich, Milchreis und Muffins. Da Eltern von Babys nicht täglich Zeit zum Frischkochen haben, lassen sich bei den meisten Rezepten größere Mengen zubereiten und für später einfrieren. Die Autorinnen beschäftigen sich schon viele Jahre mit breifreier Babykost und führen einen eigenen Blog zum Thema.

Paperback, 64 Seiten
2020, 11,99 Euro
ISBN 978-3-8338-7365-2

Wenn der Rotz läuft und der Pups drückt. Kindermedizin jetzt verständlich
von Vitor Gatinho

Wer dem Kinderarzt und Vater Dr. med. Vitor Gatinho bereits auf Instagram folgt oder regelmäßig seinen Podcast hört, wird dieses Buch lieben. Aber auch alle Eltern, die ihn bisher nicht kennen, werden mit dem Ratgeber viel Freude haben. Darin vermittelt er humorvoll und alltagsnah Tipps und Studienergebnisse für den Alltag mit Baby und Kleinkind, immer mit dem Fokus auf Kindergesundheit. Er erklärt typische Wehwehchen und Kinderkrankheiten leicht verständlich und verzichtet auf Ärzte-Latein. Die behandelten Themen reichen vom Durchschlafen über das Stillen und den ersten Brei bis hin zur Verdauung und dem, was in der Windel landet. Es geht um Zahn- und Hautpflege, um die sprachliche und motorische Entwicklung von Kindern. Ein Kapitel widmet sich typischen Kinderkrankheiten. Dort erfahren Eltern, wann sie einen Kinderarzt aufsuchen sollten, was in die Hausapotheke gehört und wie sie Erste Hilfe leisten können. Besonders geeignet ist der Ratgeber für werdende Eltern und für Paare mit Kindern zwischen 0 und 3 Jahren. Wer nach der Lektüre neugierig geworden ist auf den sympathischen Kinderarzt, kann sich seinen 500.000 Followern auf Instagram anschließen. Dort liefert er unter dem Namen @kids.doc.de aktuelle Infos und Ratschläge und beantwortet regelmäßig die Fragen von Eltern.

Paperback, 256 Seiten
2022, 19,99 Euro
ISBN 978-3-8338-8363-7

Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Der entspannte Weg durch Trotzphasen
von Danielle Graf und Katja Seide 

Ihr Kind will auch nie ins Bett? Und Treppen laufen kommt erst recht nicht infrage? Statt selbst Tobsuchtsanfälle zu kriegen, lesen Eltern lieber dieses Buch. Es richtet sich an Eltern von Kleinkindern im Alter zwischen 1 und 4 Jahren. Das Trotzalter ist die erste heiße Phase im Leben mit dem Nachwuchs. Kaum steht es auf seinen eigenen Beinen, beginnt das Kind nach Autonomie zu streben. Der kleine Sonnenschein wird zum tellerwerfenden Wutmonster und verunsichert seine Eltern zutiefst. Die Autorinnen des erfolgreichen www.gewuenschtestes-wunschkind.de zeigen, wie man in diesen Fällen die eigenen Nerven beruhigt und das Kind gleich mit. Sie machen Mut, Wege abseits der klassischen Erziehung mit festen Grenzen und strenger Konsequenz zu gehen. Sie erklären, was in den Kindern vorgeht, welche Entwicklungen das kindliche Gehirn durchmacht und warum Trotzphasen wichtige Entwicklungsphasen sind, die Eltern aktiv annehmen sollten, statt sie zu unterdrücken. Die witzig-persönlichen Erfahrungsberichte dürften vielen Eltern aus dem eigenen Familienalltag bekannt vorkommen. Dazu gibt es praktische Tipps für typische Stresssituationen wie das Drama beim Einschlafen oder Anziehen. Mittlerweile hat das Autorinnen-Duo weitere Bände für die Babyzeit, das Alter zwischen 5 und 10 sowie für Geschwisterthemen herausgebracht.

Paperback, 292 Seiten
2022, 20 Euro
ISBN 978-3-407-86422-2

Erziehen ohne Schimpfen: Alltagsstrategien für eine artgerechte Erziehung
von Nicola Schmidt

Der Buchtitel klingt vielversprechend, oder? Haben Sie das Gefühl, Sie schimpfen zu oft mit Ihren Kindern? Oder haben die Kinder das Gefühl, dass Mama und Papa zu oft schimpfen? Dann könnte ein Blick in diesen Ratgeber lohnen. Die Sozialwissenschaftlerin Nicola Schmidt, die schon mehrere Erziehungsratgeber in die Beststeller-Listen katapultiert hat, weiß: Ratschläge wie „Statt auszuflippen, zählen Sie ruhig bis zehn!“ helfen den wenigsten Eltern, wenn sie mal wieder auf 180 sind. Doch bevor sie andere mögliche Strategien an die Hand gibt, erläutert sie mit Hilfe der Hirnforschung, warum wir wütend werden, aber auch, was häufiges Schimpfen, Schreien, Meckern und Bestrafen mit Kindern macht. Und da ist die Forschung sehr eindeutig: Weder hören die Kinder besser, noch halten sie sich deswegen an Regeln und Verbote. Stattdessen setzt Schimpfen und Strafen Kinder unter Druck, löst Stress in ihnen aus und führt zu „schwierigem“ Verhalten. Die Autorin zeigt im Buch Strategien auf, wie es anders geht und gibt konkrete Ideen für typische Stresssituationen im Familienalltag: Zähneputzen, Anziehen, Zimmer aufräumen, ins Bett gehen, den Spielplatz verlassen. Denn sie ist überzeugt: Eltern können klare Ansagen machen und gleichzeitig empathisch und liebevoll mit ihren Kindern bleiben. Dabei helfen kreative Ideen zur Konfliktlösung, Entlastungstricks für den Familienalltag und Mini-Übungen zur Selbstfürsorge. Wer nach der Lektüre Lust bekommen hat und die vorgestellten Strategien ausprobieren will, kann eine 21-Tage-Challenge wagen: Drei Wochen wird nicht geschimpft.

Paperback, 176 Seiten
2019, 19,99 Euro
ISBN 978-3-8338-6856-6

Der Elternkompass: Was ist wirklich gut für mein Kind? Alle wissenschaftlichen Studien ausgewertet
von Nicola Schmidt

Das Bauchgefühl ist schon mal eine gute Möglichkeit, wenn man beim Kindergroßziehen vor Herausforderungen steht. Wer seinem Bauchgefühl nicht so recht traut oder sich von den gut gemeinten Ratschlägen von Oma und Opa, Kitaerzieher und Grundschullehrerin nicht abgeholt fühlt, dem könnte dieser Ratgeber weiterhelfen. Die Wissenschaftsjournalistin Nicola Schmidt hat mehr als 900 wissenschaftliche Studien um typische Familienthemen gelesen und ausgewertet. Sie räumt auf mit Mythen, Irrtümern und Ammenmärchen und filtert heraus, was wirklich wichtig ist, um gesunde, respektvolle und glückliche Kinder großzuziehen. Im Ergebnis beantwortet sie die wichtigsten Fragen, vor denen Eltern von Kindern zwischen 0 und 10 Jahren stehen: Wie oft sollte man ein Baby stillen? In welchem Alter kann ich das Kind in die Kita geben? Braucht mein Kind ein Töpfchentraining oder zeigt es mir von sich aus an, wann es trocken werden will? Wie viel sollte ein Kleinkind täglich essen? Schaden digitale Medien Kindern? Sollten Kinder teilen können? Wie sinnvoll sind Hausaufgaben? Außerdem schaut die Autorin bei ausgewählten Themen auf andere Kulturen: Manche Völker tragen ihre Babys fast ständig bei sich, andere stillen Babys alle 15 Minuten. Da der Elternkompass auf vielen wissenschaftlichen Studien beruht, findet sich am Ende ein sehr umfangreiches Literaturverzeichnis für jene Eltern, die es noch etwas genauer wissen wollen.

Hardcover, 304 Seiten
2020, 25 Euro
ISBN 978-3-8338-7526-7

Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen: (und deine Kinder werden froh sein, wenn du es gelesen hast)
von Philippa Perry

Dieser Ratgeber bringt Eltern (und auch Nicht-Eltern) dazu, sich mit den Erfahrungen aus ihrer Kindheit auseinanderzusetzen und zu schauen, wie sie das heute beeinflusst. Vermutlich wissen das viele Eltern schon unbewusst, weil sie beispielsweise ihre eigene Mutter oder den Vater heraushören, wenn sie mit ihren Kindern schimpfen. Sie machen genau das, was sie in ihrer Kindheit gestört hat, was sie aber über die Jahre verinnerlicht und übernommen haben. Die Autorin, die Psychotherapeutin Philippa Perry, erklärt, worauf es zwischen Eltern und Kindern wirklich ankommt. Sie verrät, wie wir schmerzliche Erfahrungen aus der eigenen Kindheit an unsere Kinder weitergeben und wie wir sie heilen können. Dazu gibt es in jedem Kapitel praktische Übungen, die meist mit einer Reise in die Vergangenheit beginnen. Zudem arbeitet sie viel mit Beispielsituationen aus ihrer Arbeit als Psychotherapeutin, die Anregungen für den eigenen Alltag mit Kind bieten. Ihre Überzeugung lautet: Wenn wir uns bewusst machen, dass unsere eigene Erziehung auch das Verhältnis zu unseren Kindern beeinflusst, können wir aus Fehlern lernen – und sie wiedergutmachen. Sie gibt Ratschläge, wie Eltern aus negativen Verhaltensmustern (z.B. Schimpfen) ausbrechen und mit impulsiven Gefühlen wie Wut umgehen können. Je nachdem, welches Alter die Kinder haben, kann man auch auszugsweise lesen und sich das passende Kapitel heraussuchen.

 Paperback, 320 Seiten
2021, 13,99 Euro
ISBN 978-3-548-06459-8

Simplicity Parenting. Weniger ist mehr – Was Kinder wirklich brauchen, um ausgeglichen, glücklich und rundum geborgen aufzuwachsen
von Kim John Payne

Haben Sie den Eindruck, dass das Kinderzimmer Ihres Nachwuchs‘ zu voll ist. Zu viel Spielzeug, zu viel Kleidung, zu viele Bücher? Dann lohnt ein Blick in dieses Buch. Autor ist der Pädagoge und Erziehungsberater Kim John Payne, der lange in den USA und England mit sogenannten schwierigen Kindern gearbeitet hat. Immer öfter stellte er die Diagnose einer Aufmerksamkeitsstörung. Also hat er Nachforschungen angestellt, woran das liegen könnte, dass so viele Kinder (in den USA und England) mit psychischen Problemen kämpfen. Die Ergebnisse hat er in diesem Buch zusammengefasst, dessen Kernaussage sich schon im Titel findet: Weniger ist mehr. Payne ist ein Verfechter des Minimalismus. Und der fängt im Kinderzimmer an. Er plädiert dafür, die Zahl der Bücher, der Puzzle, der Puppen, der Spielzeugautos radikal zu reduzieren. Ein Zuviel diagnostiziert der Autor auch in der Freizeit von Familien: Zu viele Hobbys und Termine führen zu Freizeitstress. Wie gut hier Entschleunigung tun kann, hat die Corona-Pandemie gezeigt. Das Buch zeigt Strategien auf, wie der Familienalltag wieder entschleunigt werden kann, wie man etwas Tempo rausnehmen kann, wie man das Zuviel an Dingen, Auswahl und Information reduzieren kann. Der Lohn sind Kinder, die Selbstwirksamkeit, Selbstvertrauen, Gelassenheit und innere Stärke entwickeln. Viele der vorgestellten Ansätze wurzeln in der Waldorf-Pädagogik. Wer die zu schätzen weiß, wird sich auch mit diesem Buch gut aufgehoben fühlen.

Paperback, 368 Seiten
2020, 11,99 Euro
ISBN 978-3-453-60532-9

Menschenkinder: Artgerechte Erziehung – was unser Nachwuchs wirklich braucht
von Herbert Renz-Polster

Dieses Buch gehört zu jenen Ratgeber, die Erziehungsratgeber prinzipiell in Frage stellen. Denn – so die Kritik – darin würde nur aufgezeigt, was Kinder in unserer Leistungsgesellschaft angeblich alles können müssen und unbedingt brauchen. Das aber helfe weder Kindern noch Eltern weiter, sondern setzt beide nur unter Druck. Was also brauchen Kinder wirklich? Eine Umgebung, die zu ihren Bedürfnissen passt, denn diese haben sich in den letzten Jahrtausenden kaum verändert. Der Kinderarzt und vierfache Vater Herbert Renz-Polster erläutert zunächst das biologische Urprogramm von Kindern. Denn wenngleich wir nicht mehr in Höhlen leben, kommen Kinder mit uralten Bedürfnissen und Erwartungen auf die Welt. Und eines der wichtigsten ist zunächst Nähe. Der Autor möchte Eltern ermutigen, mehr auf die Bedürfnisse ihres Kindes zu achten, statt auf die Vorschläge der neuesten Ratgeber. Das Buch will eben nicht die neuste Anleitung zur Kindererziehung bieten, sondern eine neue Perspektive auf Kinder. Es unterstützt Familien, die gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten. Es nimmt die Angst vor Bildungslücken und ermutigt Abstand zu nehmen von immer neuen Förderprogrammen. Stattdessen gibt es Anregungen zur „artgerechten“ Erziehung. Wem diese Idee gefällt, der kann zusätzlich den Ratgeber „artgerecht“ von Nicola Schmidt zur Hand nehmen.

Hardcover, 256 Seiten
2018, 18 Euro
ISBN 978-3-466-31068-5

101 Dinge, die in keinem Elternratgeber stehen! … obwohl sie so wichtig, witzig und wunderbar wohltuend sind!
von Silke Schröckert

Dieser Ratgeber warnt indirekt vor Elternratgebern, weil sie nicht wirklich auf das echte Leben mit Kindern vorbereiten. Weil sie mit solchen Aussagen (werdende) Eltern eher verunsichern: In der 16. Schwangerschaftswoche ist das Baby so groß wie eine Avocado, zur Erstausstattung gehören fünf Bodys, die Presswehen dauern 30 Minuten und eine Kita-Eingewöhnung drei Wochen. Die Autorin, Journalistin und zweifache Mutter, weiß aus eigener Erfahrung, dass es mit Kindern sowieso anders kommt. Der Ratgeber, der vor allem für Erstgebärende und frisch gebackene Mamas gut geeignet ist, kommt nicht mit wissenschaftlichen Studien und Fakten daher, sondern mit praktischen Erfahrungen, die unterhaltsam und kurzweilig erzählt werden. Die meisten der 101 Fakten werden auf einer Seite abgehandelt. Dazu gehören beispielsweise: Den Geburtsschmerz kann man nicht wegatmen. Die Hälfte der Erstausstattung wird man nie brauchen. Der Ratschlag: „Schlaf doch einfach, wenn dein Kind schläft“ ist ziemlicher Quatsch. Das gilt auch für die Regel: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Durch die gute Gliederung kann man im Buch springen und sich jene Alltagstipps raussuchen, die man gerade braucht. Die schönste und tröstlichste Regel ist die letzte im Buch: Egal was du machst und wie du es machst und an welche Ratgeber du dich hältst: Du bist die beste Mama der Welt und das kann niemand so schön formulieren wie der eigene Nachwuchs, um abschließend direkt aus dem Buch zu zitieren: „Wenn ich groß bin, möchte ich dich heiraten.“

Paperback, 187 Seiten
2021, 16,95 Euro
ISBN 978-3-982-29922-8

Das Wochenbett: Alles über diesen wunderschönen Ausnahmezustand. Für Mütter und Väter
von Loretta Stern und Anja Constance Gaca

Dieses Buch richtet sich an Neumamas und explizit auch an Neupapas. Es beschreibt ausführlich die aufregende, anstrengende und oft kräftezehrende Zeit des Wochenbetts. Das sind die ersten etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt, in denen sich die Frau von der Geburt erholt und die kleine Familie zueinanderfindet. Das Buch gliedert sich in drei Teile, wobei der Mittelteil jede Menge praktischer Informationen für die erste Zeit mit Baby erhält: Was braucht der kleine Erdenbürger jetzt, welche Ausstattung, welche Körperpflege? Was muss ich zum Stillen wissen? Was braucht die Familie, wie findet jeder seine neue Rolle? Welche Ernährung tut der Mutter gut (hier gibt es gleich ein paar Rezepte dazu) und wie geht man am besten mit dem zahlreich angemeldeten Besuch um? Die anderen beiden Teile richten sich gezielt an die Eltern, einer an die Mütter und einer an die Väter. Es gibt praktische Tipps, wie sie das möglicherweise schwierige Geburtserlebnis verarbeiten, wie sie das Stillen unterstützten können und wie sie dafür sorgen können, dass sie nicht nur Eltern werden, sondern ein Paar bleiben. Für die Frauen gibt es Ratschläge zur Körperpflege während des Wochenbetts und zur passenden Kleidung. Es wird erläutert, welche hormonellen Umstellungen passieren und was diese bewirken. Mit all diesen Infos ist das Buch in seiner Kompaktheit für Schwangere und junge Eltern geeignet.

Paperback, 176 Seiten
2020, 17 Euro
ISBN 978-3-466-31069-2

Intuitives Stillen: Einfach und entspannt – Dem eigenen Gefühl vertrauen – Die Beziehung zum Baby stärken
von Regine Gresens und Wolf Lütje  

Stillen gilt als optimaler Start ins Leben – für Mutter und Kind. Nicht aber immer klappt es so, wie sich die Mütter das vorher erhofft hatten. Dieser Ratgeber will eine Handreichung sein für jene, die unbedingt stillen wollen und noch Tipps brauchen, aber auch für jene, die Startschwierigkeiten mit dem Stillen haben. Die Autorin ist Hebamme und gibt Tipps, wie sich Mütter schon vor der Geburt auf das Stillen vorbereiten können, wie noch im Kreißsaal das erste Anlegen gelingt, welche Stillhaltungen es gibt. Sie plädiert für ein Stillhaltung, die mit der Schwerkraft arbeitet statt dagegen. Zudem setzt intuitives Stillen auf die angeborenen Reflexe des Babys und das Bauchgefühl der Mutter. Außerdem erklärt sie, warum Stillen so wichtig ist, wie Muttermilch zusammengesetzt ist und warum sie sich in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt verändert. Sie geht darauf ein, welche Probleme beim Stillen auftreten können und was dagegen hilft. Auf diese Art lassen sich viele Stillprobleme beheben oder gleich vermeiden. Sympathisch ist, dass die Autorin trotz ihres Plädoyers für intuitives Stillen jene Mütter nicht verurteilt, die ihr Kind nicht stillen können oder wollen oder die nach ein paar Wochen entnervt aufgeben. Gleichwohl betont sie natürlich die Vorteile, die das Stillen für beide bringt und zeigt auch die Risiken auf, die mit nicht-Stillen einhergehen.

Paperback, 160 Seiten
2016, 16 Euro
ISBN 978-3-466-31061-6

Chill mal! Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig
von Matthias Jung

Ihr Kind ist in der Pubertät oder kurz davor? Herzlichen Glückwunsch! Dieses Buch kann Ihnen durch die schwere Zeit helfen. Schon zu Beginn des Buches macht der Autor anschaulich klar, was Eltern mit pubertierenden Kindern bevorsteht: „Eine Umfrage im Bekanntenkreis hat ergeben, dass 90 Prozent der Befragten lieber in eine Privatinsolvenz gehen würden, als die Pubertät ihres Kindes noch einmal durchzustehen. Zwei Väter haben ernsthaft behauptet, eher eine Niere spenden zu wollen, als diese Phase noch einmal mitmachen zu müssen.“ Woran das liegen könnte, schildert der Pädagoge und Comedian Matthias Jung sehr unterhaltsam in seinem Buch. In einzelnen Kapiteln geht der Autor auf Themen wie körperliche und hormonelle Veränderungen, auf Schule und Hobbys, auf Handy und Familie ein. Er schildert hitzige Diskussionen über Schule, Zimmeraufräumen, Helfen im Haushalt. Er erklärt, warum das Kind auf einmal so maulfaul wird. Er zeigt auf, warum WhatsApp überlebenswichtig ist – und Hygiene überschätzt, jedenfalls aus der Sicht der Teenager. Man muss lernen loszulassen, so Jung, am liebsten die Kreditkarte. Das Buch kombiniert wissenschaftliche Erkenntnisse mit persönlichen Erfahrungen und Humor. Der ist es auch – neben reichlich Geduld – der Eltern die Pubertät irgendwie überstehen lässt. Denn, erstens: Wir müssen uns irgendwann von den Kindern abnabeln (so wie sie sich von uns) und zweitens: Irgendwann hört die Pubertät wieder auf.

Paperback, 224 Seiten
2018, 17,95 Euro
ISBN 978-3-841-90609-0

Pubertät – wenn Erziehen nicht mehr geht: Gelassen durch stürmische Zeiten
von Jesper Juul

Der zweite Ratgeber für die heiße Phase der Pubertät stammt von der dänischen Erziehungskoryphäe Jesper Juul. Er nähert sich dem Thema weniger humorvoll, eher wissenschaftlich und sachlich, aber mit ebenso viel Empathie und Verständnis für die Jugendlichen und ihre Eltern. Da Erziehung ab etwa zwölf Jahren in seinen Augen nicht mehr möglich ist, bleibt für ihn das A und O: Kommunikation und Beziehung. Den Eltern kommt in diesem Alter eine neue, aber ebenso wichtige Rolle zu: Sie müssen für ihr großes Kind da sein und ihm zeigen, dass es so gut ist, wie es ist. Was es nicht braucht, sind Vorhaltungen und Kritik. Da erziehen nicht mehr hilft, sind Strafen ebenso nutzlos. In drei großen Kapiteln gibt Juul Anregungen, was stattdessen hilft. Zunächst erläutert er, wie sich Jugendliche in der Pubertät verändern und damit auch unsere Beziehung zu ihnen. Kinder brauchen in diesem Alter mehr Verständnis und Begleitung und nur noch selten Grenzen und Präsenz. Der zweite Teil stellt in Briefform typische Konflikte mit Pubertierenden und mögliche Lösungsansätze dar. Der dritte Teil zeichnet zehn Workshops mit Familien nach, die 2009 im von Jesper Juul initiierten Familylab stattfanden. Auch hier finden sich einige praktische Tipps. Wer den Ratgeber lesen will, fängt am besten schon in der Vorpubertät an, also bevor es wirklich zu spät ist zum Erziehen.

Paperback, 224 Seiten
2020, 12 Euro
ISBN 978-3-328-10558-9