Was tun wenn die Familie in der Krise steckt?

Datum: Mittwoch, 01. Februar 2012 11:32

Kinderschutz und Elternverantwortung

Unseren Ratgeber betreut: Jana Friedrich, Leiterin Kinder- & Jugendnotdienst Cottbus der Jugendhilfe Cottbus, Thiemstraße 39, 03050 Cottbus

Das Zusammenleben in Familien verläuft nicht immer nur harmonisch. Was tun, wenn Vorstellungen, Wünsche und Handlungen von Eltern und Kindern im Alltag zu scheinbar unlösbaren Streitigkeiten und Auseinandersetzungen führen. Zum Beispiel ist nicht selten ein schlechtes Zeugnis Anlass, schwelende Konflikte zum Ausbruch zu bringen. Die Halbjahreszeugnisse werden bald vergeben. Der Kinder- und Jugendnotdienst (KJND) bietet Kindern, Jugendlichen und deren Familien zu dieser Situation aber auch bei anderen unterschiedlichsten Schwierigkeiten und Krisensituationen rund um die Uhr Beratung und Hilfe an. Manchmal haben Eltern das Gefühl, dass sie auf ihre Kinder kaum noch Einfluss haben. Gerade in der Pubertät, wenn die Kleinen zu Erwachsenen werden, ist nicht selten plötzlich alles anders und die Eltern wissen oft nicht mehr weiter. Da bleibt die sonst so zuverlässige Tochter abends einmal weg oder es stellt sich heraus, dass der Sohn längere Zeit der Schule fern geblieben war. Vielleicht werden die Kinder auch bei einem Ladendiebstahl ertappt. Vielem lässt sich mit Geduld, Verständnis und Konsequenz
begegnen. Wenn aber alles aus dem Ruder läuft und die Krise da ist, braucht es Unterstützung, Schutz und Hilfe von außen. Erfahrene Fachkräfte des KJND unterstützen Familien in Krisen und helfen bei der Suche nach tragfähigen Lösungen. Ist der Schutz oder eine vorübergehende Trennung der Kinder und Jugendlichen von ihren Familien nötig, bleibt als wichtigstes Ziel immer der Erhalt der Familie. Während dieser Zeit, entspannt sich häufig schon durch die örtliche Trennung die Situation. Zudem tragen klärende Gespräche mit allen Beteiligten dazu bei, Wege zu finden wieder miteinander leben zu können. Nicht immer gelingt dies innerhalb weniger Tage. Wenn es mehr Zeit braucht, Klarheit über nächste Schritte zu erlangen, wird sich diese auch genommen. Nichts ist so ungünstig, wie in einer Krise vorschnelle Entscheidungen zu treffen. Der Notdienst kann weiterführende Hilfen wie z.B. die Erziehungsberatung, geeignete therapeutische Hilfe vermitteln oder den Zugang zu Behörden und Ämtern erleichtern. Selbst wenn Kinder unverhofft nicht aus einer Kita abgeholt werden, steht der KJND den Einrichtungen als erster Ansprechpartner zur Seite. Kinder- und Jugendliche im Alter von 7-17 Jahren, die das Gefühl haben, nicht mehr weiter zu wissen, in Konflikten stecken (Schule, Ausbildung, Freunde oder Familie) oder Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt wurden, können sich Tag und Nacht an den KJND wenden. Oftmals erreichen den KJND auch Anrufe wachsamer Bürger, die sich in ihrer Nachbarschaft um Kinder oder Jugendliche sorgen. Der Notdienst kann schnell reagieren und fungiert als Schnittstelle zwischen Behörden (Jugendamt, Sozialamt) und Rettungskräften, wenn das Kindeswohl akut in Gefahr ist. Die Türen der Schutzeinrichtung öffnen sich somit nicht nur für ratsuchende Kinder und Jugendliche, sondern auch für deren Eltern, Großeltern, Freunde, Lehrer und alle anderen, die sich Sorgen um einen kleinen oder großen Menschen machen.