Bindung: Liebe und Halt fürs Leben

Datum: Montag, 02. Mai 2016 10:52

Doris Klinke-Schulze, Diplom-Psychologin und Gestalt-Körpertherapeutin in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Jugendhilfe Cottbus gGmbH gibt Tipps zur Bindungsentwicklung im Kleinkindalter. 

Kinder brauchen Liebe und Zuwendung, um gesund aufzuwachsen. Kinder, die sich in den ersten Lebensjahren bei ihren Eltern sicher und aufgehoben fühlen, profitieren davon in ihrem ganzen späteren Leben. Das erste Lebensjahr ist dafür besonders bedeutsam.

Im ersten Lebensjahr ist das Baby völlig auf die Liebe und Fürsorge seiner Eltern angewiesen. Eltern, die ihrem Baby feinfühlig begegnen, seine feinen Signale wahrnehmen und angemessen auf seine Bedürfnisse eingehen, geben ihm das beste emotionale Rüstzeug, um später die Herausforderungen des Lebens zu bewältigen.

Feinfühlig die Bindung entwickeln
Feinfühlige Eltern helfen ihrem Baby, eine sichere Bindung an sie zu entwickeln. Unter Bindung versteht man die besondere Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern oder anderen Menschen, die es beständig versorgen. Kinder, die sicher an ihre Eltern gebunden sind, nutzen ihre Eltern als verlässlichen Ausgangspunkt, von dem aus sie neugierig die Welt erkunden können und zu dem sie immer wieder vertrauensvoll zurückkehren. Diese Bindung entwickelt sich im Laufe des ersten Lebensjahres.

Kinder, die sicher an ihre Eltern gebunden sind, gehen später flexibler mit Herausforderungen, Belastungen und Konflikten um. Sie haben mehr Freude am Leben und kommen mit ihren Altersgenossen besser zurecht.


Angemessen, prompt und zuverlässig
Eltern und andere Bezugspersonen verhalten sich feinfühlig, wenn sie angemessen, zuverlässig und prompt auf die Signale des Babys reagieren. Das heißt zum Beispiel: Trösten Sie Ihr Baby zuverlässig und sofort jedes Mal, wenn es weint. Unterstützen Sie es in unbekannten und schwierigen Situationen und vermitteln Sie ihm Sicherheit und Geborgenheit.

Damit verwöhnen Sie Ihr Baby in den ersten Lebensmonaten auf keinen Fall - Sie geben ihm lediglich, was es braucht, um selbstständig zu werden. Denn um neugierig und sicher seine Umwelt zu erobern, braucht es die Erfahrung: Meine Eltern - oder auch andere vertraute Personen - sind für mich da, wenn ich sie brauche. Erst ab etwa dem achten Lebensmonat können Kinder allmählich lernen, ein wenig zu warten, bis ihre Bedürfnisse befriedigt werden.


Literaturempfehlungen
Safe: Sichere Ausbildung für Eltern
Karl Heinz Brisch, Klett-Cotta

Bindungen - Das Gefüge psychischer Sicherheit
Grossmann & Grossmann, Klett-Cotta


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