Kalte Jahreszeit – Erkältungszeit

Datum: Montag, 25. Januar 2021 15:12

In diesem Jahr werden wir von dem lang-ersehnten weißen Schnee begrüßt, der die Kinderaugen glänzen und das Herz hüpfen lässt. Für einen kurzen Moment wird die aktuelle Lage unter einer kuschelig weißen Schneedecke versteckt. Das Glitzern des Schnees versucht uns zu trösten, indem er mit jedem winzig kleinen Schneeflöckchen Hoffnung und Freude schickt und die karge Landschaft heller werden lässt.
Doch es lässt sich nicht bestreiten, noch verstecken: Ob nun Corona oder ein „normaler“ Infekt – die Erkältungszeit ist da!

Für niemanden ist es angenehm, wenn die Nase tropft, der Hals kratzt und man sich einfach nur elend fühlt. Viele Kinder scheinen von Oktober bis April durchgehend unter einem Schniefnäschen zu leiden. Ursachen für die in der kalten Jahreszeit weit verbreiteten Infekte sind ganz unterschiedliche Viren, die dann besonders wirksam sind. Die Kleinsten sind dafür sehr anfällig, da ihr Immunsystem noch nicht ausreichend trainiert ist. Die körpereigenen Abwehrkräfte müssen sich erst auf die Vielfalt von Krankheitserregern einstellen und wie mit ihnen umzugehen ist. Mediziner räumen den kleinen Körpern dafür großzügigen Spielraum ein. Es gilt als durchaus normal, dass ein Kind bis ins Vorschulalter hinein im Jahr bis zu zwölf Infekte durchlebt. Wenn die Kleinsten sich gegen einen Virus wehren müssen, werden sie zunächst quengelig und müde. Oft kommt rasch Fieber hinzu. Meist ist es zwar kein Grund zur Besorgnis, aber ein Arztbesuch empfiehlt sich in jedem Fall. Ist es nur ein grippaler Infekt, also keine „echte“ Grippe, kann auf starke Medikamente wie Antibiotika zunächst verzichtet werden. Die Kinder signalisieren von sich aus ganz deutlich ihren Wunsch nach Ruhe. Was sonst ein großer Kampf ist, erledigt sich dann von allein: Die Kinder schlafen diskussionslos, auch tagsüber. Dabei ist darauf zu achten, dass sich keine Wärme unter einer dicken Bettdecke staut, die die Körpertemperatur zusätzlich in die Höhe treibt. Wer nicht ausruhen möchte, dem macht vielleicht ein ruhiges Spiel Freude. Eine extralange Vorlese-Geschichte ist jetzt besonders schön.

Eine oft gestellte Frage bleibt: Fieber senken oder nicht? Ab wann greife ich zu welchem Mittel? Fieber ist eine vom Körper selbst herbeigeführte Temperaturerhöhung, die dazu dient, alle Vorgänge im Körper zu beschleunigen. Dies schließt die Abwehrreaktion von Krankheitserregern ein. Für diese Temperaturerhöhung setzt der Körper alle Energiereserven ein, die er mobilisieren kann. Das erklärt Müdigkeit, Frösteln und auch fehlenden Appetit. Wenn die freigewordene Energie noch nicht reicht, bedient sich der schlaue Organismus an den Proteinen, z.B. aus den Muskeln. Erwachsene klagen dann oft über Gliederschmerzen und fühlen sich schlapp. Mit jedem Infekt trainiert der Körper des Kindes und erweitert so seinen Erfahrungsschatz im Umgang mit unliebsamen Eindringlingen. Die Senkung des Fiebers ist also zunächst bei einer Körpertemperatur unter 39°C nicht unbedingt notwendig, vorausgesetzt, es besteht keine Neigung zu Fieberkrämpfen. Den ganz Kleinen macht schon ein Schnupfen schwer zu schaffen. Sie können noch nicht so richtig die Mund- und Nasenatmung steuern und das Trinken funktioniert mit verstopfter Nase überhaupt nicht. Nach Absprache mit dem Kinderarzt ist hier besonders nachts der Einsatz von milden Nasentropfen speziell für Säuglinge unvermeidlich. Auch Naseputzen können die Kleinen nicht und mögen es gar nicht, wenn es ein anderer für sie tut. Vorsichtiges Herausdrehen des Sekrets aus beiden Nasenlöchern mit Hilfe eines schmalen Wattestäbchens oder die Anwendung eines Sekretsaugers schafft schon Erleichterung. Je nach Alter des Kindes ist auch der Einsatz einer Kochsalzlösung ratsam. Dafür wird 1g Salz in 100 ml abgekochtem Wasser aufgelöst. Zum einen hilft es der Pflege der Nasenschleimhäute, man kann damit aber auch sehr gut das Sekret ausspülen, sofern sich das Kind auf diese Prozedur einlässt: Mit einer sauberen (am besten ausgekochten) Pipette einer verbrauchten Nasentropfenflasche die gut abgekühlte Kochsalzlösung aufnehmen, das Kind auf die Seite drehen, die gesamte Menge der Lösung in der Pipette in das untere Nasenloch geben und das Köpfchen dann leicht nach vorn drehen, so dass alles wieder rauslaufen kann. Größeren Kindern können Dampfbäder mit Kamille oder Eukalyptus das Atmen erleichtern. Wegen der Unfallgefahr sollte dies nur unter Aufsicht geschehen. Bei allergischer Neigung sollte auf Anwendungen mit Kamillenblüten verzichtet werden. Jede Erkältung bedarf der genauen Beobachtung durch die Eltern: Ob die Symptome länger als üblich (etwa eine Woche) bleiben, ob es schlimmer wird, z.B. mit Luftnot, ob Eiter in den Sekreten enthalten ist. Wenn das Kind immer wieder die Hände an einem oder beiden Ohren hat, ist auch das ein Zeichen, unbedingt zum Kinderarzt zu gehen. Aus harmlosen grippalen Infekten können durchaus andere Krankheiten entstehen. Dazu gehören Bronchitis, Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen. Insbesondere bei Säuglingen ist der Arztbesuch immer der sicherste Weg, um die Gesundheit zu schützen, denn die Kleinsten sind besonders empfindlich.
Verhindern lässt sich die Erkältungszeit nicht, denn trockene Heizungsluft und schlechtes Wetter fördern nicht die Bewegungslust. Überheizte Räume tun ein Übriges. Neben regelmäßigem Durchlüften ist auch das Aufhängen von feuchten Tüchern oder frisch gewaschener Wäsche eine Möglichkeit, die Raumluft feucht zu halten. Trotzdem ist der Aufenthalt draußen gesund. Bewegung fördert die Abwehrkräfte und draußen gut „eingepackt“ mit wettergerechten Schuhen, macht selbst die kalte Jahreszeit zum Abenteuer.

Dr. med. Torsten Karsch,
Chefarzt Kinder- und Jugendmedizin
Klinikum Dahme-Spreewald GmbH
Lübben – Königs Wusterhausen

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