Vorsicht mit Desinfektions- und Reinigungsmitteln im Haushalt

Datum: Mittwoch, 28. April 2021 13:22

Vergiftungen und Verätzungen gehören zu den Unfallrisiken, von denen besonders Kleinkinder betroffen sind. Rund 90 Prozent aller Vergiftungsunfälle betreffen Kinder im Alter zwischen 0 und sechs Jahren. Die meisten dieser Unfälle ereignen sich dabei zu Hause. Mit der zunehmenden Beweglichkeit der Kinder ab dem ersten Lebensjahr steigt das Risiko, dass die Kleinen mit giftigen oder ätzenden Substanzen in Berührung kommen.
Oft ist man sich kaum bewusst, dass viele Mittel – die zum Teil regelmäßig im Haushalt benutzt werden – giftig und bei unsachgemäßem Gebrauch gerade für Kinder äußerst gefährlich sein können. Das gilt für alltägliche Reinigungs- und Pflegemittel, aber auch für sogenannte Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten und erst recht für Medikamente.

Die Giftnotrufzentralen in Deutschland haben in den letzten Wochen und Monaten eine steigende Anzahl von Notrufen und Anfragen im Zusammenhang mit Desinfektionsmitteln registriert.

Das bestätigt auch Daniela Acquarone, Leiterin des Giftnotrufs für die Region Berlin-Brandenburg an der Charité in Berlin: „Tatsächlich werden auch im Giftnotruf der Charité während der Covid-19-Pandemie verstärkt Anrufe von besorgten Eltern registriert, nachdem ihre Kinder zum Beispiel Desinfektionsmittel getrunken haben“, so Daniela Acquarone.

Insgesamt hat der Giftnotruf während der Coronapandemie nicht wesentlich mehr Anfragen als zu sonstigen Zeiten. Auffällig ist es jedoch, dass sich viele Anfragen, die Kinder betreffen, auf die versehentlichen Einnahmen von Desinfektionsmitteln für die Haut und den Haushalt beziehen. Seit dem Ausbruch des Corona-Virus nutzen mehr Menschen Desinfektionsmittel im privaten Haushalt und reinigen die Wohnräume verstärkt mit chemischen Substanzen. Dabei kann es zu Falschanwendungen von Reinigungsmitteln kommen und die Mittel können vermehrt in die Hände von Kindern gelangen und als Folge gesundheitliche Schäden verursachen.

Putz- und Reinigungsmittel sowie andere Haushaltschemikalien gehören an einen sicheren, für Kinder unerreichbaren Ort. Auch ätherische Öle, Lampenöle oder Essigessenz sind für kleine Kinder gefährlich und gehören kindersicher aufbewahrt.

Im Vergiftungsfall handeln – Ruhe behalten und anrufen

Bei Verdacht auf eine Vergiftung heißt es als Erstes, Ruhe zu bewahren und telefonisch ärztlichen Rat einzuholen. Oft kann auf diese Weise schon geholfen werden. Zeigt das Kind keine Veränderungen in seinem Verhalten und keine Störung der lebenswichtigen Funktionen wie Atmung, Kreislauf und Bewusstsein, sollten sich die Eltern zunächst telefonisch bei der Giftnotrufzentrale erkundigen, ob und welche weiteren Maßnahmen notwendig sind. Erstmaßnahmen sollten immer nur nach Rücksprache mit der Giftnotrufzentrale durchgeführt werden. Ist das Kind bewusstlos, ist unverzüglich der Notruf 112 zu verständigen.

Giftnotrufzentralen in Deutschland

Die Giftnotruf- oder Giftinformationszentralen beraten Bürger sowie auch medizinisches Personal von Krankenhäusern und Rettungsdiensten. Bundesweit gibt es acht solcher Vergiftungsinformationszentralen. Der Giftnotruf der Charité in Berlin für die Region Berlin-Brandenburg ist 24 Stunden unter der Telefonnummer 030 19240 erreichbar und bietet eine ärztliche Beratung zu Vergiftungen bei Menschen. In lebensbedrohlichen Situationen gilt weiterhin der allgemeine Notruf 112.

Kindersicher und unbeschwert durch die Grillsaison

Noch ein Hinweis für die Grillsaison: Verzichten Sie auf flüssige Grillanzünder und Lampenöle. Davor warnt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Diese Substanzen können unter Umständen von Kindern mit Getränken verwechselt werden und bereits kleinste Mengen können chemische Entzündungen in der Lunge auslösen. Schwere gesundheitliche Schäden bis hin zu Todesfällen können die Folge sein. Flüssige Brandbeschleuniger wie Spiritus oder Benzin können zudem bei unsachgemäßer Anwendung durch Stichflammen zu Verbrennungen führen. Es wird Eltern daher geraten, für ein unbeschwertes Grillvergnügen auf feste Grillanzünder in Würfel- oder Riegelform auszuweichen.

Die ehrenamtlichen Familienpat*innen des Netzwerks Gesunde Kinder informieren Eltern regelmäßig im persönlichen Gespräch zu möglichen Unfallgefahren für Kinder und geben wertvolle Tipps zur Prävention und Vermeidung von Unfällen.

Weitere Informationen zum Thema Kindersicherheit unter:

www.kindersicherheit.de