ADAC Ratgeber

Datum: Dienstag, 21. August 2012 08:32

Die ADAC Rettungskarte: Wenn jede Sekunde zählt

Joachim Kosack, Vorstandsmitglied für Clubdienste - Resort Technik und Umwelt – im ADAC Berlin-Brandenburg e.V.
 

Herr Kosack, warum ist Ihnen die Verbreitung der Rettungskarte so wichtig? 
K: Die Rettungskarte kann helfen, Leben zu retten. Es ist ein einfaches Stück Papier mit Details zur Konstruktion des Autos – doch für Rettungskräfte liefert es maßgebliche Informationen. Dadurch kann eine notwendige Rettung viel schneller und gezielter erfolgen – das spart wichtige Zeit. Und wir alle wissen: Im Notfall zählt jede Sekunde.
 

Aber sind die Insassen in modernen Autos nicht genügend geschützt? 
K: Es klingt kurios, aber gerade der hohe Sicherheitsstandard der Fahrzeuge kann im Notfall zum Problem werden. Die Fahrgastzellen sind enorm verstärkt, an allen möglichen Ecken sollen Airbags Aufprallkräfte abfedern. Dafür müssen die Batterie, einzelne Generatoren und jede Menge Elektronik von den Rettungskräften lokalisiert werden.


Für wen ist die Rettungskarte besonders sinnvoll? 
K: Gerade für den nichtstädtischen ländlichen Verkehrsraum wie etwa die Lausitz ist die Rettungskarte sehr wichtig. Dort gibt es die meisten schweren Alleeunfälle mit Bäumen und Gegenverkehr. Nötige „Befreiungsaktionen“ aus Unfallfahrzeugen müssen dann von Freiwilligen Feuerwehren durchgeführt werden. Von den freiwilligen Helfern kann man trotz sehr hoher Motivation nicht erwarten, die erforderliche Rettungszeit immer gewährleisten zu können, das heißt der Zeitraum zwischen Unfall und dem Beginn medizinisch qualifizierter lebenserhaltener Maßnahmen. In solchen Fällen kann der schnelle und einfache Blick in die Rettungskarte des verunfallten Fahrzeugs sehr viel Zeit sparen.


Welche Informationen stehen denn auf der Rettungskarte? 
K: Die Rettungskarte zeigt eine schematische Darstellung des Fahrzeuges. Mit einfachen Symbolen ist dargestellt, wo sich Batterien, Gurtstraffer, Airbags mit den zugehörigen Gasgeneratoren und Druckdämpfern sowie die Karosserieverstärkungen befinden. Die Rettungskräfte wissen dadurch genau, wo sie Spreizer und Schere ansetzen können und welche Vorsichtsmaßnahmen nötig sind, um Airbags nicht nachträglich auszulösen. Die einheitlichen Symbole gewährleisten, dass die Rettungszeiten auch bei einem Unfall im Ausland reduziert werden können.


Wo sollte die Karte aufbewahrt werden?
K: Der beste Platz ist hinter der Sonnenblende auf der Fahrerseite – an dieser Stelle werden alle Rettungskräfte zuerst suchen. Der ADAC hat außerdem kleine Aufkleber für die Windschutzscheibe erstellt, die auf die Rettungskarte verweisen. Diese Aufkleber bekommt jedermann kostenlos in unseren ADAC Geschäftsstellen und ServiceCentern.


Ist eine solche Karte für jedes Auto verfügbar?
K: Die Karte gibt es inzwischen für fast alle Marken und Fahrzeugtypen. Man bekommt sie entweder direkt beim Händler oder kann die DIN-A4-großen Blätter im Internet herunterladen. Auf den ADAC Seiten gibt es dazu einen Link.


Gibt es alternative Lösungen?
K: Schon seit einigen Jahren wird nach einer digitalen Lösung gesucht: Rettungskräfte sollen das Zulassungs-Kennzeichen am Auto auslesen und dann alle notwendigen Informationen zum Öffnen des Fahrzeuges über das Internet abrufen können. Doch dafür müssten auch alle Freiwilligen Feuerwehren die entsprechende Technik anschaffen, Internet muss verfügbar sein und jede Menge bürokratischer Hürden müssten genommen werden. Ein interessanter Ansatz, aber auf die Umsetzung werden wir noch lange warten müssen. Bis dahin ist die Rettungskarte eine praxistaugliche und bewährte Brückenlösung.