Bildung daheim – das Corona-Experiment

Datum: Donnerstag, 30. April 2020 15:10

Homeschooling in der Lausitz

Ein Blick in die digitalen Lehrangebote der Schulen in der Region verrät: Die Art und Weise, wie Schüler daheim unterrichtet werden, ist sehr unterschiedlich. Manche Schulen schnüren Aufgabenpakete in Papierform, die den Schülern mitgegeben werden oder von der Schule abgeholt werden. Homeschooling ist hier nicht digital – stattdessen füllen die Schüler zuhause Arbeitsblätter aus oder schreiben in ihren Heften, während die Lehrer teils per Telefon für Rückfragen erreichbar sind, teils auch nicht.
Ein großer Teil der Schulen stellt die Aufgaben nach Klassenstufen sortiert als PDF- oder Word-Dateien auf die Schulwebseite. Hier wird vorausgesetzt, dass die Kinder einen Rechner und Drucker zur Verfügung haben.
Relativ häufig wird inzwischen die weBBcloud des Landes Brandenburgs genutzt. Auch hier werden Aufgaben im PDF- und / oder Word-Format gesammelt und zum Download zur Verfügung gestellt. Schüler gelangen per Passwort in entsprechende Bereiche. Die HPI Schulcloud gewinnt seit der flächendeckenden Öffnung immer mehr Zulauf, sie stellt die umfangreichste digitale Lernumgebung dar. Einige Schulen verfügen auch über Sonderlösungen.
Die meisten Eltern werden durch die Schulen regelmäßig informiert, wenn auch meist per Rundmail und weniger per individuellem Kontakt. Die Umsetzung des Homeschoolings wird allerdings meist stärker in Abhängigkeit der Lehrermotivation beschrieben, die wenigsten kennen ein verbindliches und für alle Seiten definiertes Schulkonzept. Hier benötigen die Schulen sicher noch Zeit, um nach der spontanen Umstellung und ersten Erfahrungen anhand der Rückmeldungen von Schülern, Eltern, Lehrern aber auch wissenschaftlichen Studien dann nachhaltige Konzepte zu erstellen, die zur sozialen und leistungsbezogenen Situation der jeweiligen Schule passen. Kurzum: Fertige Konzepte können Eltern heute noch nicht erwarten.

Das digitale Klassenzimmer in Polen

In Polen wird man in vielen Regionen eine ganz andere Form des Homeschoolings feststellen. Hier treffen sich Lehrer und Schüler regelmäßig im digitalen Klassenraum, Unterricht erfolgt oft per Video mit verschiedenen Lerntools. Gemeinsam können die Schüler Aufgaben bearbeiten, bis hin zu Präsentationen, Vorträgen oder Filmen. Sie haben einen sicheren Chatroom zur eigenen Kommunikation zur Verfügung. Polen zählt mit Norwegen zu den Pionieren in Europa, die schon vor Jahren eine frei zugängliche, digitale Lernumgebung ermöglicht haben. Eine Investition, die sich heute auszahlt. Flankiert wird der digitale Präsenzunterricht von Konsultationszeiten, die für Nachfragen vorbehalten sind, sowie von Hausaufgaben. So entsteht ein digitaler Schultag mitsamt geregelten Zeiten und persönlichem Lehrerkontakt – fast wie in der echten Schule. Insofern können manche Eltern ihr Wunschmodell bei unseren osteuropäischen Nachbarn besichtigen.