Spezial: Kitas im Umbruch

Datum: Mittwoch, 29. April 2026 16:16


Foto: istock.com, romrodinka

Zwischen Wahlfreiheit und Spardiktat

Die Kita-Landschaft in der Lausitz steht Kopf. Wer vor wenigen Jahren noch monatelang auf Wartelisten zitterte, hat heute die Qual der Wahl. Doch der Schein trügt: Hinter den freien Plätzen verbergen sich handfeste Krisen. Ein auf Eis gelegtes Kitagesetz, chronische Unterfinanzierung und der drohende Wegfall langer Betreuungszeiten bringen Träger und Eltern ans Limit. In diesem Themenspezial schauen wir genau hin: Welche pädagogischen Konzepte überzeugen jetzt? Warum brennt es bei der Finanzierung so lichterloh? Wir zeigen Ihnen aber auch, wo Sie jetzt die passende Kita für Ihr Kind finden – und wie Sie am Ende dieses Spezials beim großen
„KiTAKOLLAPS“ selbst aktiv werden können.

Wenn die Warteliste schrumpft

Der demografische Wandel schlägt in unserer Region voll durch. Laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg kamen im Jahr 2024 landesweit nur noch 15.154 Kinder zur Welt – so wenige wie seit dem Nachwende-Knick Mitte der 1990er-Jahre nicht mehr. Für die Kitas bedeutet das leere Stühle. Regional rechnen große Träger mit bis zu 30 Prozent weniger Kindern in den nächsten fünf Jahren. Was für Kitas wirtschaftlichen Druck bedeutet, birgt für Mütter und Väter eine neue Freiheit: Lausitzer Familien können sich die Einrichtungen nun wieder viel genauer anschauen. Nutzen Sie also gern die Vorstellungen der verschiedenen Träger auf den folgenden Seiten, um die perfekte Kita für Ihre Familie zu entdecken!

Forschergeist statt Aufbewahrung

Durch diese neue Wahlfreiheit rückt die konzeptionelle Ausrichtung der Kitas noch stärker in den Fokus. Ob freies Lernen nach Montessori, naturnahe Waldorf-Pädagogik oder Gesundheitsförderung nach Kneipp – Eltern entscheiden sich heute bewusst für Schwerpunkte, die zu ihrem Kind passen. Besonders im Trend liegen dabei sogenannte „Forscherhäuser“, wie sie unter anderem von der „Stiftung Kinder forschen“ zertifiziert werden. Sie schließen eine Lücke, die im deutschen Bildungssystem oft vernachlässigt wird: Sie bringen schon den Kleinsten spielerisch Naturwissenschaften, Mathematik und Technik nahe – ein Bereich, in dem uns skandinavische Länder in der frühkindlichen Bildung weit voraus sind.

Ein zweites, immens wichtiges Kitawahlkriterium für Eltern ist die Sprachförderung. Bundesweite Schuleingangsuntersuchungen zeigen, dass immer mehr Kinder Defizite aufweisen. Kitas, die im Alltag ganz gezielt die sprachliche Entwicklung stärken, sind daher gefragter denn je.

Reformstau und Spardiktat

Doch die schöne neue Kita-Welt hat einen gewaltigen Haken. Zwar hat die Landesregierung Ende vergangenen Jahres eine Reform des komplizierten Kitagesetzes angekündigt, doch diese soll erst 2027 in Kraft treten. Bis dahin heißt es: Mangelverwaltung. Der Kern des Problems ist eine immense Finanzierungslücke bei der Absicherung der Öffnungszeiten. Viele Kitas sollen und müssen 10 bis 12 Stunden am Tag geöffnet haben, refinanziert bekommen sie vom Land aber oft nur 7,5 Stunden. Ende 2025 lief die bisherige Landesrichtlinie zur Förderung der längeren Betreuungszeiten ohne direkte Anschlusslösung aus.

Das 8-Stunden-Dilemma

Gerade im Osten Deutschlands und hier in der Lausitz ist das ein riesiges Dilemma, denn die Erwerbstätigenquote von Frauen ist bei uns traditionell sehr hoch. Zwei Drittel aller Krippen- und Kindergartenkinder in Brandenburg (über 70.000 Kinder) benötigen täglich mehr als 7,5 Stunden Betreuung, weil beide Eltern Vollzeit arbeiten und oftmals lange Arbeitswege haben. Statt die sinkenden Kinderzahlen also als historische Chance zu begreifen, um den Betreuungsschlüssel zu verbessern, verharrt die Landespolitik im Stillstand. Es sind die Träger – wie jene in diesem Spezial –, die dieses staatliche Spardiktat mit enormem eigenem Engagement, kreativen Ideen und internen Mitteln abfedern, um die Qualität für unsere Kinder hochzuhalten.


„Sprache von Anfang an stärken“
Interview mit Danilo Schubert, Geschäftsleitung Fröbel Region Lausitz

Die Schuleingangsuntersuchungen zeigen bundesweit: Immer mehr Kinder bringen weniger Kompetenzen mit, um den Übergang in die Schule gut zu schaffen. In manchen Regionen weist jedes dritte Kind Sprachdefizite auf. Was können Kitas zur besseren Vorbereitung tun?

Wir setzen konsequent auf alltagsintegrierte Sprachbildung. Denn wer sich ausdrücken kann, findet leichter Anschluss, lernt erfolgreicher und startet sicherer in die Schule. Beim Spielen, Vorlesen, Singen oder im Gespräch nutzen Fachkräfte sprachanregende Momente, hören zu, stellen Fragen und ermutigen Kinder, ihre Gedanken zu teilen.

Wie wird die sprachliche Entwicklung überprüft und wie werden etwaige Defizite behoben?

Damit jedes Kind gut begleitet werden kann, braucht es einen genauen Blick. Unsere Fachkräfte beobachten die Sprachentwicklung jedes Kindes systematisch zweimal pro Jahr ab dem 2. Lebensjahr mit dem wissenschaftlich fundierten Verfahren
BaSiK – und zwar mitten im Alltag. Daraus folgt die Frage: Was braucht dieses Kind jetzt konkret? Aus den Erkenntnissen entstehen gezielte Impulse für die Förderung – individuell und alltagsnah.

Wie wird das in der Lausitz konkret umgesetzt?

In unseren Kindergärten in Cottbus und Senftenberg zeigt sich das jeden Tag. Im Fröbel-Kindergarten Musikus in Senftenberg etwa verbinden Kinder Sprache und Musik: Sie singen, erzählen und erfinden eigene Geschichten. In allen unseren Einrichtungen spielen Bücher eine wichtige Rolle, ebenso mehrsprachige Angebote – zum Beispiel mit digitalen Tools, die Geschichten in verschiedenen Familiensprachen zugänglich machen. So entsteht Sprachbildung Schritt für Schritt: im Alltag, im Miteinander und mit dem Ziel, jedes Kind stark zu machen.