
Warum Lausitzer Eltern beim KiTAKOLLAPS am 13. Mai auf die Straße gehen.
Am 13. Mai ruft das Bündnis KiTAKOLLAPS alle Kitas in Brandenburg auf, nach 8 Stunden Öffnungszeit zu schließen. Der Hintergrund: Das Land finanziert die Betreuung der Kinder rechnerisch nur für einen Zeitraum von 7,5 Stunden. Mitstreiter gibt es lausitzweit, so unter anderem auf dem Ernst-Mucke-Platz in Cottbus, wo die Kita Humi Kids in Kooperation mit dem Cottbuser Kita-Elternbeirat eine Protestaktion veranstaltet. Wir sprachen dazu mit Sarah Ostrowski, Sprecherin des Beirats und Gründungsmitglied von KiTAKOLLAPS.
Sarah, worin besteht eure Kritik am Kita-System und warum ist es gerade jetzt so wichtig, dass Eltern und Erzieher gemeinsam laut werden?
Unsere Kritik am Brandenburger Kita-System besteht seit vielen Jahren. Es geht um grundlegende, strukturelle Probleme, die alle Kitas in Brandenburg betreffen – auch wenn sie für Eltern vor Ort unterschiedlich stark sichtbar sind. Seit Anfang dieses Jahrs werden unsere Kitas nur noch für 7,5 Stunden Betreuungszeit pro Tag finanziert. Die tatsächlichen Öffnungszeiten und der Betreuungsanspruch der Kinder liegen aber oft deutlich darüber. Diese Lücke führt zu zusätzlichem Druck im System.
Deshalb ist es wichtig, dass alle Eltern verstehen: Jede, auch ihre eigene Kita, ist davon betroffen. Fachkräfte und Träger brauchen jetzt Unterstützung von Familien und der breiten Gesellschaft, damit aus politischen Forderungen echte Verbesserungen entstehen können – zum Wohle unserer Kinder und zur Verbesserung unseres Bildungssystems.
Das Aktionsbündnis KiTAKOLLAPS ruft daher in diesem Jahr mit „Brandenburg, um drei? Kita vorbei!“ Kitas im ganzen Land dazu auf, am 13.5. das Haus nach 8 Stunden Öffnungszeit zu schließen und mit Eltern zu dieser neuen Verschärfung der strukturellen Probleme im Kitasystem ins Gespräch zu kommen.
Unsere pädagogischen Fachkräfte leisten täglich sehr viel. Sie begleiten unsere Kinder beim Aufwachsen, schaffen Sicherheit und bauen stabile Beziehungen auf. Doch die aktuellen Rahmenbedingungen halten mit den Anforderungen nicht Schritt. Ein zentrales Problem: In Brandenburg ist eine Fachkraft für zu viele Kinder zuständig, in allen Altersstufen. Gleichzeitig steigt der individuelle Förderbedarf vieler Kinder.
Hinzu kommt ein widersprüchlicher Trend: Durch sinkende Geburtenzahlen müssen teilweise Fachkräfte entlassen werden – obwohl eigentlich mehr Personal gebraucht wird. Gleichzeitig steht durch die anhaltende Verrentung der Babyboomer eine weitere personelle Lücke bevor. Gerade jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, gegenzusteuern: Die Fachkraft-Kind-Relation zu verbessern, Fachkräfte im System zu halten und für spürbare Entlastung zu sorgen. Das würde nicht nur die Arbeitsbedingungen verbessern, sondern auch die Qualität der frühkindlichen Bildung in Brandenburg nachhaltig stärken.
Was könnte diese Finanzierungslücke bei den Betreuungszeiten ganz konkret für den Alltag von berufstätigen Müttern und Vätern hier in der Region bedeuten?
Für berufstätige Eltern bedeutet das ganz konkret: Ihre Kinder haben oft einen vom Jugendamt bestätigten Rechtsanspruch auf mehr als 8 Stunden Betreuung am Tag. Aber nicht jede Kita kann diese Zeiten auch wirklich anbieten. Besonders schwierig sind die Randzeiten – also früh am Morgen und am späten Nachmittag. In diesen Zeiten ist dann oft viel zu wenig Personal da. Gleichzeitig fehlen diese Fachkräfte dann in der Kernzeit. Das verschärft die ohnehin angespannte Personalsituation zusätzlich. Und alle damit verbundenen Schwierigkeiten.
Kitas stehen dadurch vor einem großen Problem: Wenn sie diese Herausforderung nicht bewältigen, kann ihre Existenz gefährdet sein – vor allem bei sinkenden Kinderzahlen. Und das nicht, weil sie schlechte Arbeit leisten oder der Bedarf nicht da wäre, sondern weil die Finanzierung nicht ausreicht.
Wird keine Lösung gefunden, könnten viele Kitas ihre Öffnungszeiten deutlich verkürzen. Berufstätige Eltern und Alleinerziehende wären besonders betroffen – vor allem, wenn sie Schichtarbeit, lange Arbeits- oder Pendelzeiten haben. Für manche könnte das bedeuten, weniger zu arbeiten oder die Kita wechseln zu müssen, falls sich dann vor Ort überhaupt Alternativen bieten. Das setzt Familien und Kitas in Brandenburg zusätzlich unter Druck. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns jetzt gemeinsam für bessere Lösungen einsetzen.
Sie engagieren sich stark im Cottbuser Kita-Elternbeirat, der noch Mitstreiter sucht. Warum sollten Eltern nicht nur am Aktionstag Flagge zeigen, sondern bei Ihnen Mitglied werden – was können Sie gemeinsam bewirken?
Veränderungen brauchen Zeit, denn politische Prozesse gehen oft langsam. Deshalb braucht unser Engagement Ausdauer, gegenseitige Motivation, kontinuierlichen Druck und auch regelmäßig frischen Wind. Gemeinsam können wir viel bewegen und Veränderungen anstoßen. Ein einzelner Aktionstag reicht dafür leider nicht aus. Wer sich für gute Bildung einsetzen möchte, ist bei uns genau richtig. Unser Motto ist: „Gute Bildung für alle Kinder, von Anfang an“.
Die Familien in Cottbus sind sehr unterschiedlich. Genau das ist unsere Stärke: Jedes Mitglied bringt eigene Erfahrungen, Ideen und Perspektiven mit. So können wir viele Themen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, eine breite Expertise und die eigenen Stärken einbringen. Jede und jeder kann einen passenden Bereich für sich finden.
Ein Vorteil in Cottbus ist: Wir sind viele Mitglieder an einem Ort und können uns regelmäßig ohne große Anfahrtswege treffen. So haben wir Zeit, neue Mitglieder gut einzuarbeiten – auch in komplexe Themen. Wir vernetzen uns mit anderen Gremien und arbeiten gemeinsam an Stellungnahmen, zum Beispiel zu Gesetzen oder aktuellen Entwicklungen. Auch der Spaß kommt nicht zu kurz.
Unsere Treffen sind hybrid. Das heißt: Man kann vor Ort teilnehmen oder einfach online über Handy oder Tablet dabei sein. So wird es für viele Eltern leichter, sich zu engagieren und informiert zu bleiben.
Wer Interesse hat, sollte sich im ersten Schritt an die eigene Kitaleitung wenden, bei Fragen auch gern per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
KiTAKOLLAPS
Brandenburgweiter Aktionstag am 13.05.2026 – dabei sein bei der großen Protestaktion von 9–12 Uhr auf dem Ernst-Mucke-Platz in Cottbus!
Kita-Elternbeirat Cottbus
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