Ohne Angst keine Fantasie

Datum: Freitag, 26. Oktober 2012 08:42

Interview mit Kindergeschichtenerzählerin Diana Amft

DianaAmft-25Kaum eine deutsche Schauspielerin ist derzeit gerade bei Frauen so beliebt wie Diana Amft, die mit Doctors Diary zum TV-Star wurde. Ihr neues Lieblingsprojekt, das im vergangenen Jahr das Licht der Welt erblickte, steht aber nur selten im Rampenlicht: Geschichten für Kinder rund und um die kleine Spinne Widerlich. Mit liebevollen Texten und wundervollen Illustrationen haben die Kinderbücher um die kleine Spinne dabei sogar ganz praktische Auswirkungen: Sie helfen, gerade bei Mädchen eine der unverständlichen Urängste in unserer Gesellschaft zu nehmen – die Angst vor Spinnen. Deshalb widmet sich unser Interview nicht der Schauspielerei, sondern vor allem Diana Amfts Geschichten um die kleinen Spinne Widerlich – die am 16. November mit dem zweiten Kinderbuch „Die kleine Spinne Widerlich – Der Geburtstagsbesuch“ eine Fortsetzung erfahren.


Sie haben mal den Beruf der Justizfachangestellten erlernt, das klingt recht langweilig. Wie kommt man eigentlich von dort zur Schauspielerei?
Schauspielern wollte ich immer gern und habe schon früh in Theatergruppen gespielt. Ich habe mich auch an vielen Schauspielschulen beworben, es hat nur etwas gedauert, bis ich an einer genommen wurde. Wie ich auf die Justizfachangestellte kam, weiß ich gar nicht mehr so richtig – da habe ich mit meinen Eltern überlegt, welcher Beruf Zukunft bietet. Bei diesem Beruf konnte man verbeamtet werden, das klang nach Sicherheit. Der Beruf ist vielleicht nicht sonderlich aufregend, allerdings haben die geregelten Abläufe auch was für sich. Ich habe das auch mehr zur Beruhigung meiner Eltern gemacht. In meinem Kopf war aber immer die Schauspielschule und auch während der Ausbildung fuhr ich immer wieder zum Vorsprechen.


Gerade Frauen mögen Ihre sympathischen und meist etwas tollpatschigen TV-Rollen, in denen Sie sich oft wunderbar selbst auf die Schippe nehmen – sind Sie im privaten Leben auch so in Fettnäpfchen verliebt?
Es ist nicht so, dass ich durch die Gegend laufe und keine Glasscheibe auslasse. Ein gewisses Identifikationspotenzial ist aber sicher da. Frauenfiguren, die nicht perfekt sind, sind mir sehr sympathisch. Man muss beim Spielen auch mal die Eitelkeit weglassen können, um das authentisch zu verkörpern. In Filmprojekten wird das sicher auch überzogen, damit es unterhaltsamer wird. Im privaten Leben kenne ich das sicher auch, aber auf einer anderen Ebene. Ich rede beispielsweise immer sehr schnell und aus dem Bauch heraus. Da merke ich manchmal, noch bevor der Satz zu Ende ist, dass ich das an dieser Stelle nicht so hätte formulieren sollen.


Seit „Doctors Diary“ arbeiten Sie als Schauspielerin mit ständig zunehmendem Erfolg, wie kamen sie da eigentlich auf die Idee, Kinderbücher zu schreiben, und die auch noch über eine Spinne?
Geschrieben habe ich schon immer sehr gern und da liegen auch einige Geschichten in der Schublade. Aber mit der kleinen Spinne Widerlich, das war das erste Buch, das wirklich rund und fertig war. Auf die Spinne kam ich, weil viele Leute aus unterschiedlichsten Gründen Angst vor Spinnen haben oder sich davor ekeln. Ich habe versucht, dass mal aus der Sicht einer Spinne zu betrachten. Es gibt ja gar keinen Grund für uns, wir sind doch viel größer und viel mächtiger. Dabei kann man die Spinnen auch von einer faszinierenden Seite betrachten. Es kommt auch oft darauf an, wie man zum ersten Mal mit etwas konfrontiert. So nimmt man das dann auch an. Bei mir war die erste Begegnung mit einer Spinne von einem Schrei begleitet – so geht das sicher auch manch anderen Kindern. Ich würde mir nie anmaßen, eine Spinne zu töten, kann aber auch heute nicht gut mit ihnen unter einem Dach leben. Angefangen habe ich, mir Geschichten um Spinnen auszudenken, als ich mit einer Spinne mal allein war. Da habe ich mir vorgestellt, dass sie auch eine Familie hat und sich nur verlaufen hat. Ich habe mir überlegt, auf welchem Weg sie sich befindet und was sie noch so vorhat. So habe ich mir zu jeder Spinne einen Charakter ausgedacht. Das machte die Situation für mich einfacher.


Im November erscheint ihr zweites Kinderbuch mit der kleinen Spinne Widerlich, wird sie jetzt zum Serienstar?
Ich bin selbst sehr gespannt, auf welche Reise das geht. Genug Geschichten gibt es bestimmt, die die kleine Spinne erleben kann. So weit habe ich aber noch nicht geschaut und erst einmal alle Liebe in das zweite Buch gesteckt. Es gibt ja viele erfolgreiche und etablierte Kinderbuchautoren, mit denen ich schon sprechen durfte. Fast alle Erfolgsgeschichten entstehen von Schritt zu Schritt, da hatte auch kaum jemand von Anbeginn den großen Plan.


Die kleine Spinne hat aber schon das Zeug zum Start einer guten TV-Serie oder eines Kinofilms für Kinder, verfolgen Sie mit ihren Wurzeln im TV und Kino da einen Masterplan?
Da ist sicher was dran. Es würde sich aber nach Größenwahn anhören, wenn man gleich so etwas plant. Meine Motivation an dem Projekt ist die Liebe zu Kindern und das ich etwas für Kinder machen möchte. Das hatte nie einen kommerziellen Hintergrund. Aber ein befreundeter Musikproduzent hat mir zum Geburtstag ein Lied über die Spinne geschenkt – da habe ich gedacht: Die hat ja sogar das Potenzial für ein Musical! Das Lied ist ein richtiger Ohrwurm geworden. Ich werde diesen Monat auch noch das E-Book einsprechen und es wird zu beiden Büchern ein Hörbuch produziert. Wenn genug Stoff für ein Theaterstück da ist, kann ich mir das auch sehr gut vorstellen. Ich wurde auch schon darauf angesprochen, ob man das nicht verfilmen könnte. Das bringen die Kontakte aus meiner Schauspielerei mit sich. Ich will aber jetzt dieses zweite Buch mit so viel Liebe wie das erste begleiten und mache mir erst danach Gedanken, wie es weiter gehen könnte.