
Die lausebande erblickte 2011 das Licht der Welt. Im selben Jahr bin ich das erste Mal Mama geworden. Das kleine Würmchen, das ich damals völlig erschöpft und überglücklich in den Armen hielt, feiert im lausebande-Jubiläumsjahr den Übergang ins Erwachsenwerden. Wir haben schon familienintern Wetten abgeschlossen, ob das Kind bis zur Jugendweihe über mich hinauswachsen wird. Viel fehlt nicht mehr.
Wenn die Kinder groß werden, müssen wir Eltern – vermutlich eher wir Mütter – langsam das Loslassen üben. Zum Glück wird der Nachwuchs schrittweise größer, unabhängiger und selbstständiger. Es sind die kleinen Dinge, die nach und nach wegfallen. Wenn das Kind einen Kratzer hat, kommt es sich eben keine Pflaster und Puster mehr von Mama abholen. Wenn es Kummer hat, schüttet es nicht mehr mir das Herz aus, sondern der besten Freundin. Wenn es sich etwas vom Taschengeld kaufen will, dann macht es das einfach und fragt vorher nicht um Erlaubnis. Kika wurde von YouTube abgelöst, das Sandmännchen von Spotify. Für meine Kalauer gibt es kein herzliches Lachen mehr, sondern ein müdes Augenrollen.
In den zurückliegenden Winterferien durfte ich das Loslassen üben. Alle drei Kinder haben zum ersten Mal gleichzeitig eine Woche woanders und ohne Eltern übernachtet. Wir Eltern waren uns bis zum Abschied nicht sicher, ob wirklich jedes Kind durchzieht. Das Nesthäkchen hatte doch etwas Sorge vor dem Heimweh. Und wie lief dann der Tag des Abschieds? Die drei Kids und mein Mann meisterten das souverän. Einmal drücken, winken und weg waren sie. Tränen flossen dennoch – allerdings nur bei mir. Das war dann also ein kleiner Vorgeschmack darauf, was mich und die Kinder erwartet, wenn sie in ein paar Jahren das elterliche Nest verlassen. Ich fürchte, dann werde ich ähnlich emotional reagieren.
Die eine kinderfreie Woche habe ich dann trotzdem genossen, nachdem der Abschiedsschmerz überwunden war. Ich habe die Dinge gemacht, die sonst im Alltag einfach liegen bleiben, Sachen gemacht, die wir unseren Kids zu verbieten versuchen (zum Beispiel vorm Fernseher essen), jede Nacht durchgeschlafen und jeden Morgen ausgeschlafen. Vor allem habe ich die Ruhe genossen. Es ist wirklich bemerkenswert, wie stark sich der Geräuschpegel unterscheidet, je nachdem, ob sich zwei Erwachsene oder eine fünfköpfige Familie im Haus befinden. Der Unterschied entspricht vermutlich dem zwischen einem Segelflugzeug und einem Jumbojet. Nun sind die Kids zurück und es herrscht wieder Leben in der Bude – so wie seit 15 Jahren und hoffentlich noch ein paar Jahre mehr.
Eure Lausitz-Mummy





