
Fast die Hälfte aller Wildbienenarten in Deutschland ist gefährdet. Foto: istock.com/Yuriy Balagula
Wie ein bienenfreundlicher Garten gegen das Bienensterben hilft
Zusammen mit dem Thema Wolf geht auch die Beitragsserie über den Natur- und Artenschutz – mit Infos rund um Pflanzen, Tiere und Möglichkeiten zu ihrem Schutz – an den Start. Den Anfang macht ein kleines Tier mit großer Bedeutung für uns und unsere Natur – die Biene.
Vom Bienensterben hat sicherlich jeder schon mal etwas gehört. Dass es hierbei aber nicht um die populäre Honigbiene geht, ist dagegen weniger bekannt. Diese ist in ihrem Bestand nicht gefährdet. Währenddessen geht die Zahl unserer Wildbienen immer weiter zurück. Fast die Hälfte der rund 600 Wildbienenarten in Deutschland steht bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Ausgeräumte Agrarlandschaften, versiegelte Flächen, monotone Gärten, Herbizide und andere Pestizide nehmen ihnen Blüten, Rückzugsorte und Brutplätze. Viele der Wildbienenarten sind zudem spezialisiert und brauchen ganz bestimmte Pflanzen – fällt deren Blütenangebot weg, verschwinden oft auch die passenden Wildbienen.
Ihr Rückgang aus unserer Natur ist nicht nur ein gewaltiger Verlust für die Artenvielfalt, sondern stellt auch uns Menschen vor Herausforderungen – denn die Bienen machen ihrem fleißigen Ruf alle Ehre und sind nicht nur für die Bestäubung von rund 80 Prozent der heimischen Wildpflanzen, sondern auch für die zahlreicher Kulturpflanzen zuständig, von denen wir uns ernähren. Mit der Zahl der Wildbienen sinken in unmittelbarer Konsequenz auch unsere Ernteerträge – hinzu kommen die Langzeitfolgen des Artensterbens.
Bienenfreundlicher Garten
Die gute Nachricht: Familien können mit einem bienenfreundlichen Garten direkt vor der Haustür zum Bienenschutz beitragen. Statt steriler Schotterflächen oder kurz geschorenem Golfrasen ist ein Naturrasen mit Gänseblümchen, Klee und Löwenzahn wertvoller. Dazu passen heimische Wildblumen und Wildstauden wie Kornblumen, Ringelblumen, Schafgarbe oder regionales Wildblumensaatgut. Was wir meist als Unkraut beschimpfen und mit chemischen Mitteln bekämpfen, ist für die Bienen eine der wichtigsten Lebensgrundlagen. Im Gegensatz dazu sehen die klassischen Zuchtblumen und -gewächse aus dem Gartenhandel zwar besonders farbenfroh und üppig aus, bieten unseren Wildbienen aber kaum oder gar keinen Pollen und Nektar. Auch bei exotischen Gewächsen ist Vorsicht geboten – einige von ihnen können sich stark ausbreiten und heimische Pflanzen verdrängen, auf die spezialisierte Wildbienen angewiesen sind. Wer pflanzt, sollte deshalb lieber auf heimische Arten setzen, die von Frühling bis Herbst blühen.
Mythos Bienenhotel
Wer Bienen schützen möchte, setzt gern auf die scheinbar schnellste und unkomplizierteste Lösung – das Bienenhotel. Dass man den Wildbienen damit mehr schadet, als nützt, ist den meisten leider nicht bewusst. Das ungeeignete und schlecht verarbeitete Material der Fertigbauten kann die Bienen verletzen, Krankheiten sowie Parasiten übertragen und deckt mit seinen Nistmöglichkeiten nicht annähernd das Spektrum der vielen unterschiedlichen Wildbienenarten ab. Das wahrhaftige Bienenhotel bleibt ein Naturgarten mit der entsprechenden Bepflanzung – ergänzt durch Totholz-, Stein- und Reisighaufen, stehengelassene Stängel, Laub und wilde Ecken. Wer seltener mäht und verblühte Pflanzen nicht sofort abschneidet, schafft zusätzliche Verstecke und Überwinterungsplätze. Eine flache Insektentränke mit Steinen oder Stöckchen bietet in warmen Zeiten zusätzlich Wasser und sichere Landeplätze.
Mehr Tipps für einen bienenfreundlichen Garten bieten folgende Seiten:
Instagram: Robinga Schnoegelroegel
Ein Entdeckungsort für Kinder
Mit Kindern und Haustieren ist ein bienenfreundlicher Naturgarten sehr gut vereinbar. Wildbienen sind friedlich und ein naturnaher Garten braucht keine komplette Wildnis. Sinnvoll ist eine Aufteilung zwischen robusten Spiel- und Tobeflächen und Blühinseln am Rand, unter Sträuchern oder im Beet. Kinder können zudem in die Errichtung und Pflege des Gartens beim Aussäen von Wildblumen oder dem Anlegen von Totholzhaufen und Insektentränken mit eingebunden werden. Am Ende ist der Naturgarten dann nicht nur ein Rückzugsort für Wildbienen, sondern auch ein Entdeckungsort für Kinder und Familien, in dem Kinder die Natur direkt vor ihrer Haustür erleben und durch eigenes Beobachten viel über unsere heimische Tierwelt lernen können.





