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Doch wie sind die sorbischen Osterbräuche überhaupt entstanden?
Am Ostersonntag werden Ostereier gesucht, das ist eines der zentralen Symbole des Osterfestes. Die Folklore besagt, dass das Verschenken der Eier zu Ostern – eine heidnische Tradition – von der Kirche unter Strafe gestellt wurde. Der Grund: Es sollten nur noch streng kirchliche Bräuche gefeiert werden. Um sich nicht erwischen zu lassen, haben die heidnischen Anhänger die Eier fortan nicht mehr persönlich verschenkt, sondern auf den Feldern von Familie und Freunden vergraben. Dementsprechend mussten die Ostereier also gesucht werden – was wir bis heute noch machen.
Osterbräuche in der Lausitz
Speziell in der Lausitz sind die Osterbräuche noch vielfältiger und gehen über das Eiersuchen hinaus: So gibt es dank sorbischer Traditionen nirgends so schöne Ostereier, wie bei uns. Das traditionelle Verzieren mit Wachs und Farben in verschiedenen Techniken bereitet vor allem Kindern Spaß und Freude – und hat eine Hunderte Jahre alte Tradition. Das Ei als Symbol der Fruchtbarkeit, der Stärke, des Ursprungs des Lebens und der Wiederauferstehung wurde schon im alten China und Ägypten verziert. Erst im Mittelalter entwickelte sich auch hierzulande der Brauch des Eierbemalens und -verschenkens. Aus der Reformationszeit stammt wiederum die Tradition, dass Paten ihren Patenkindern zu Ostern gefärbte Eier schenken. Damals erhielt jedes Kind am Ostersonntag von seinen Paten drei Eier, dazu noch eine sogenannte Ostersemmel und einen Pfefferkuchen. Mit den geschenkten Eiern wurde anschließend „Waleien“ gespielt – ebenfalls ein weiterhin beliebter sorbischer Osterbrauch.
Jedes Ei ein Unikat
Die älteste Erwähnung sorbischer, bunter Ostereier geht ins Jahr 1717 zurück und die Kunst des Ostereierbemalens wird bis heute in vielen Familien gepflegt. Der Karfreitag ist traditionell dem Anfertigen der Ostereier vorbehalten. Für das Bemalen sorbischer Ostereier gibt es verschiedene Techniken, die allesamt etwas Geduld erfordern – doch wer den Dreh einmal raushat, kann wunderschöne Unikate entstehen lassen. Auf den folgenden Seiten erklären wir Ihnen die verschiedenen Techniken des Ostereierverzierens und die Bedeutung der unterschiedlichen Muster und Symbole. Außerdem erhalten Sie allerlei Termintipps für Workshops, in denen Sie sich selbst am Ostereierverzieren probieren können.
Hoch zu Ross und schweigend an die Neiße
Darüber hinaus hat die Lausitz weitere faszinierende Osterbräuche zu bieten. Ein Höhepunkt ist das Osterreiten, dessen Ursprung als heidnischer Schutzritt für die Saat weit zurückreicht. In seiner heutigen christlichen Form wurde es bereits um 1490 urkundlich erwähnt. Am Ostersonntag ziehen Männer auf geschmückten Pferden singend von Dorf zu Dorf. Ebenfalls heidnischen Ursprungs und viele Jahrhunderte alt ist das Osterwasserholen: Mädchen schöpfen vor Sonnenaufgang Wasser aus einer fließenden Quelle. Wer auf dem Heimweg eisern schweigt, dem verleiht es – so der alte Glaube – Schönheit für das ganze Jahr. In der Schleifer Region zieht zudem das Ostersingen die Zuhörer in seinen Bann. Dieser Brauch wird nachweislich seit weit über 200 Jahren von Frauen und Mädchen in Tracht am frühen Ostermorgen gepflegt.

Bedeutung der Muster und Symbole auf sorbischen Ostereiern
(1) Wolfszahn: Kraft und Urwüchsigkeit
(2) Sonnenrad & (3) Strahlenbündel: Wachstum, Wärme, Licht, Hoffnung auf wiederkehrenden Sommer und erwachendes Leben
(4) Bienenwabe: Frühling, Fleiß und Emsigkeit
(5) Punkt oder Kreis: Bannkreis, der Schutz vor
bösen Dämonen bietet
(6) Kiefernzweig: Gesundheit
(7) Drei Punkte oder drei Dreiecke: Dreifaltigkeit | Trinität: Gott, Jesus Christus, Heiliger Geist (Vater|Schöpfer, Sohn Gottes, Heiliger Geist)
(8) Stern: Leben, Wachstum und Fruchtbarkeit
Fotos: Maik Köllnick, www.sorbische-ostereier.de

Foto: istock.com/aaron007
Techniken des Eierverzierens
Im Folgenden stellen wir drei Techniken kurz vor, die Links führen zu gut anschaulichen Anleitungen bzw. Erklär-Videos bei YouTube.
Einfarbige Wachstechnik: Diese Technik ist gut für Anfänger geeignet, da alle Muster und Symbole in einem Gang aufgetragen werden können, ohne zwischendurch das Ei färben zu müssen. Erst nach dem Auftragen der Muster und Ornamente bekommt das Ei sein Farbbad. Zum Schluss wird das Wachs von den getrockneten Eiern wieder entfernt. Der obere Code führt zu einem Video, der untere zu einer Textanleitung.
Mehrfarbige Wachstechnik: Die mehrfarbige Wachstechnik, auch Wachsreserve- oder Batiktechnik genannt, ist deutlich zeitaufwändiger. Hier werden verschiedene Farben in mehreren Schichten aufgetragen, was optisch sehr imposant ist, aber auch einige Stunden in Anspruch nimmt.
Bossiertechnik: Im Gegensatz zu den ein- oder mehrfarbigen Wachstechniken wird das Ei bei der Wachsbossiertechnik nicht eingefärbt – stattdessen werden Muster und Symbole direkt mit farbigem Wachs aufgetragen. Somit entfällt auch das Entfernen des Wachses zum Schluss. Die wohl schnellste und einfachste Technik – mit Video (oben) und Textanleitung (unten).
Kratztechnik: Bei dieser Technik wird das Ei zunächst eingefärbt. Danach kratzt man Muster und Symbole in das Ei. Dies wirkt hervorragend bei einer dunklen Farbwahl – außerdem eignet sich diese Technik gut zum „Einritzen“ von Sprüchen. Der QR-Code hält noch weitere Anleitungen bereit.
Tipps und Tricks
Mit diesen Tipps und den nebenan aufgezeigten Techniken gelingen sorbische Ostereier im Handumdrehen. Wer möchte, holt sich zusätzlich Tipps von Profis (siehe nächste Doppelseite):
- Je nach Schwierigkeit der Technik können sich schon Kinder ab 6 Jahren probieren.
- Auf weißen Eiern kommen Muster besser zur Geltung als auf braunen Eiern.
- Die Eier sollten mind. 30 Minuten gekocht werden – alternativ können sie ausgepustet werden, was allerdings einige Tage vorher geschehen sollte, damit die Eier noch austrocknen können.
- Stoff- oder Batikfarben sind am besten für das Einfärben der Eier geeignet.
- Gänsefedern sind sehr stabil, Taubenfedern hingegen verbrennen nicht so schnell. Hühner- und Entenfedern sind ebenso zum Auftragen des Wachses geeignet. Federn gibt's bspw. online bei „serbske JAJO“.
- Zeichnen Sie zur Hilfe Muster und Symbole mit hauchdünnen Bleistiftlinien vor.
- Wenn das Ei zum Schluss mit etwas Öl oder Speck eingerieben wird, hat es einen besonderen Glanz.





