Oh wie süß!

Datum: Mittwoch, 29. Mai 2019 11:58


"Man kann und sollte Süßigkeiten nicht verbieten"

Ernährungsberaterin Ulrike Held über Verbote, Süßigkeiten und gesundes Naschen. Die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Held betreibt in Guben das Geschäft „einLaden“ und arbeitet nebenbei als Ernährungsberaterin.

Sie sind als Ernährungsberaterin tätig. Welche Rolle spielen die Themen Zucker und gesunde Ernährung in Ihrem Praxisalltag? Versteckter Zucker spielt genauso eine Rolle wie versteckte Fette. Gerade diese nicht offensichtlichen Dickmacher sind es, die irgendwann das Fass zum Überlaufen bringen, so dass die Patienten dann zu mir kommen. Aber ich berate auch immer wieder zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien.

Sollte man komplett auf Süßigkeiten verzichten? Nein, weder kann noch sollte man Süßigkeiten komplett verbieten. Entscheidend ist die Menge. Ich empfehle als gesunde Alternative zum Schokoriegel getrocknetes Obst. Oft reicht auch der Griff zu einem Stück Obst oder einem Glas 100%-igen Saft aus, um den Hyper nach etwas Süßem zu stillen. Tipp: Wenn der Heißhunger doch mal auf Schokolade kommt, greifen sie zu dunkler Schokolade mit einem Kakaoanteil ab 50 %. Am besten, sie legen diese vorher in den Kühlschrank, denn der Mund hat dann länger zu tun, die Schokolade zu schmelzen.

Sie haben selbst Kinder. Wie handhaben Sie zu Hause den Umgang mit Süßigkeiten? Wir haben ein kleines Süßigkeitenfach. Die Kinder wissen, dass sie fragen müssen, wenn sie etwas daraus nehmen wollen. Das klappt zwar nicht immer, aber meistens. Am Tag dürfen sie eine halbe Kinderhand voll Süßigkeiten naschen. Beim Einkaufen achte ich darauf, dass die Lebensmittel wenig Zucker enthalten. Tipp: was ich immer wieder gerne bei Beratungen mache, ist den Patienten Naschtüten zu empfehlen, um den Umgang mit den Süßigkeiten zu lernen. Was bedeutet das? Am Sonntag setzt man sich hin und packt alles, was man gerne nascht, auf den Tisch. Nun nimmt man sich 7 kleine Tüten und beschriftet sie mit Montag bis Sonntag. Dann packt man in jede Tüte eine halbe Handvoll Süßes / Nascherei hinein. Der Rest vom Tisch kommt wieder in den Schrank. Jede Tüte ist nun für einen Tag in der Woche gedacht. Sollte man an einem Tag mehrere Tüten der Woche verzehren, hat man für die restlichen Tage der Woche halt weniger Tüten. Somit kann man lernen, sich zu bremsen und besser damit umzugehen.

Sie führen außerdem einen Laden in Guben – gibt’s da auch Süßigkeiten? Natürlich. Denn wie schon gesagt, Verbote bringen nichts. Aber die Süßigkeiten in meinem Sortiment haben alle Bioqualität.