Krieg der Sternchen

Datum: Montag, 13. Dezember 2021 10:46

Zur Diskussion um gendergerechte Sprache 

In dieser Ausgabe widmen wir uns einem Thema, dass auf den ersten Blick gar nicht so viel mit Familien zu tun hat, zu dem viele unserer Leser*innen aber vermutlich trotzdem eine sehr klare Position haben. Es geht um gendergerechte Sprache, also die Mitnennung von Frauen und von Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen. Die Mehrheit der Deutschen lehnt das ab. Wo immer das Thema in den Medien aufkommt, wird hart und heftig diskutiert – insbesondere in den sozialen Medien.

Dass ein kleiner Stern einen Krieg der Meinungen auslösen kann, zeigte im Sommer ein Edeka-Markt aus Friedberg bei Augsburg. Der Marktleiter stellte das Foto von einem Glas „Student*innen Futter“ online, das schon länger ohne viel Aufsehen im Laden verkauft und gekauft wurde. Der Post bei Facebook und Twitter ging viral und löste neben Zustimmung einen regelrechten Shitstorm aus. Der Marktleiter sieht die Diskussion gelassen, die Zielgruppe des Produkts freut sich über das neue Glas, denn nicht nur die Beschriftung passt zu ihrer Philosophie, sondern auch alles andere: Die Nüsse in Bio-Qualität sind fair gehandelt und in einem Pfandglas verpackt. Und alle anderen haben ja zum Glück noch eine Riesenauswahl an Studentenfutter.

Was genau ist gendergerechte Sprache?

Genderneutrale oder gendergerechte Sprache ist ein Bestandteil des Diversity-Themenkomplexes. Diversity lässt sich am besten mit dem Begriff „Vielfalt“ übersetzen. Gemeint ist dabei der bewusste Umgang mit der Vielfalt der Gesellschaft und ein respektvoller Umgang mit Verschiedenheit und Individualität. Neben dem gleichberechtigten Umgang der Geschlechter gehören dazu beispielsweise noch folgende Aspekte: Ethnie, Religion, sexuelle Orientierung, soziale Herkunft, Behinderung.

Gendergerechte Sprache will alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, einbeziehen und sie gleichberechtigt ansprechen. Das gilt nicht nur für Männer und Frauen, sondern auch für Menschen, die sich in diesem zweigeschlechtlichen System nicht wiederfinden. Um sie sprachlich einzubeziehen, gibt es mehrere Möglichkeiten, darunter eher ungewöhnliche Vorschläge wie die Nutzung neutraler Endungen. Das würde bei dem Wort „Leser“ dann so aussehen: Lesy, Lesx, Lesens (ens als Wortendung, hergeleitet aus der Mitte des Wortes Mensch). Die bisher gebräuchlichste Form ist der Genderstern *, also Leser*in.