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Alles rund um vegane Ernährung
Vegan? Ist das nicht Spinnerei? Schmecken diese ganze veganen Ersatzprodukte überhaupt? Der Mensch ist doch von Natur aus ein Allesfresser und hat schon in der Steinzeit Tiere gejagt und gegessen. Kinder vegan zu ernähren, kann nicht gesund sein. Die brauchen Fleisch und Eiweiß. Diese und ähnliche Sätze gingen mir durch den Kopf, als ich vom Titelthema für diese lausebande-Ausgabe erfahren habe. Ich esse nicht oft Fleisch, aber sehr gern. Und auch auf mein Frühstücksei am Wochenende will ich nicht verzichten. Außerdem ist mir wichtig, dass meine drei Kinder, von denen sich eins seit Jahren vegetarisch ernährt, Milch und Käse nutzen – wegen des Kalziums und des Eiweiß. Entsprechend zurückhaltend habe ich auf den Vorschlag aus der Redaktionssitzung reagiert: „Wie wäre es, wenn ihr mal den Praxistest macht und eine Woche vegan lebt.“ Ich habe den Praxistest dann tatsächlich mit meiner Familie gewagt. Das Ergebnis gibt es im Erfahrungsbericht im Anschluss an dieses Titelthema.

Vermutlich denken viele Menschen so wie ich. Gleichzeitig gibt es eine kleine, aber stetig wachsende Zahl von Menschen, die sich sehr bewusst für eine vegane Lebensweise entscheidet. Laut dem jährlich vom Bundeslandwirtschaftsministerium herausgegebenen Ernährungsreport ernähren sich zwei Prozent der Menschen in Deutschland vegan, doppelt so viele wie 2016, als der Report erstmals veröffentlicht wurde. Eine Forsa-Umfrage von 2023 geht von drei Prozent vegan lebenden Menschen aus. Das heißt in Deutschland verzichten derzeit rund zwei Millionen Menschen beim Essen und Trinken auf jegliche tierische Produkte. Vor allem Großstädter und junge Menschen verzichten komplett auf tierische Lebensmittel. Laut aktuellen Zahlen des Studierendenwerks Brandenburg-West waren 70 Prozent der im vergangenen Jahr in den Mensen ausgegebenen Mahlzeiten vegan oder vegetarisch.

Während Vegetarier (7 Prozent der Deutschen) auf Fisch, Fleisch und Wurst verzichten – also Lebensmittel vom toten Tier – verzichten vegan lebende Menschen auf alle tierischen Produkte. Dazu gehören auch sämtliche Milchprodukte, Eier, Honig, Gelatine. Die meisten Menschen, die vegan leben, setzen das auch in anderen Bereichen des Alltags um und verzichten auf Kleidung mit tierischen Anteilen wie Leder, Seide und Pelze, auf Mäntel, Kissen und Decken mit Daunen, sie nutzen auf dem Balkon und im Garten keine Insektizide. Sie kaufen ausschließlich Kosmetik, die auf Tierversuche und tierische Bestandteile verzichtet. Mit der veganen Lebensweise befinden sich diese Menschen in prominenter Gesellschaft.
Vegan lebende Prominente
Film: Johnny Depp, Jared Leto, Demi Moore, Joaquin Phoenix , Brad Pitt, Natalie Portman, Ben Stiller
Musik: Bryan Adams, Thomas D, Billie Eilish, Ariana Grande, Alanis Morissette, Nena, Kerstin Ott, Katy Perry
Sport: Lewis Hamilton, Ralf Moeller
Politik: Bill Clinton, Al Gore

Für den Anbau von Futtersoja wurden riesige Flächen Regenwald abgeholzt. Foto: istock.com, Paralaxis
Gründe für vegane Ernährung
Umweltschutz: Von pupsenden Kühen, deren Methan-Ausstoß schlecht für das Klima ist, haben vermutlich die meisten schon gehört. Tatsächlich verursacht die Tierhaltung (auch international) jede Menge klimaschädliches CO2. Laut Umweltbundesamt sind zwei Drittel der Emissionen der Landwirtschaft in Deutschland auf die Tierhaltung zurückzuführen. Das dabei entstehende CO2 (35,5 Mio. Tonnen pro Jahr) entspricht gut fünf Prozent der jährlichen Treibhausgasemission Deutschlands. Dazu kommen negative Folgen durch Gülle und Düngung der Futtermittel. In Regionen mit Massentierhaltung werden die Grenzwerte für Nitrat, Ammoniak und Phosphat im Grundwasser regelmäßig überschritten. Immer wieder müssen Wälder für den Anbau von Futtermitteln weichen. So wurde in Brasilien über viele Jahre artenreicher Regelwald gerodet, um dort Weideflächen für Rinder und für Sojafelder zu schaffen. Die EU gehört zu den wichtigsten Abnehmern brasilianischen Sojas: 2024 gingen über 16 Millionen Tonnen in den europäischen Markt, vor allem als Tierfutter. Deutschland importierte mehr als 1,8 Millionen Tonnen. Dazu kommt: Flächen, auf denen Futtermittel für die Tierhaltung angebaut werden, fehlen für andere Nutzungen wie den Anbau von Getreide, Obst und Gemüse, aber auch für Wälder oder Heideflächen, was indirekt die biologische Vielfalt beeinträchtigt. In Deutschland werden knapp 40 Prozent, weltweit rund ein Drittel des Ackerlandes für die Futtermittelproduktion verwendet.
Tierwohl: Wie ambivalent unser Verhältnis zu Tieren ist, zeigte sich beispielhaft, als sich ein Buckelwal Ende März in die Ostsee verirrt hat. Empathie und Berichterstattung waren riesig. Er bekam einen Namen und Millionen wurden in Rettungsversuche gesteckt. Dagegen scheint das Leid, das Tag für Tag millionenfach in Ställen und Schlachtbetrieben passiert, kaum Jemanden zu interessieren. Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 800 Millionen Landlebewesen getötet, hinzu kommen unzählige Fische, Garnelen, Krebse, Muscheln. Die Aufzucht von Tieren passiert fast ausschließlich unter für die Tiere katastrophalen Bedingungen der Massentierhaltung. Bullen wird mit einer Nasenringzange ein Ring durch die empfindliche Nasenscheidewand gezogen. Gänsen und Enten werden Füllschläuche in den Hals gesteckt, über die sie zwangsgefüttert werden, um eine unnormal große Stopfleber zu erhalten. Milchkühen werden beständig ihre Kälber entzogen, damit sie uns Milch liefern. Viele Tiere leben auf engstem Raum und sehen nie in ihrem Leben die Sonne.
Gesundheit: Ein hoher Fleischkonsum, besonders von rotem Fleisch von Schwein, Rind, Wild und Lamm, fördert laut Studien das Risiko für bestimmte Krebsarten wie Darm-, Magen- und Prostatakrebs, aber auch für Diabetes Typ 2 und Demenz. Die im Fleisch enthaltenen gesättigten Fettsäuren und das Cholesterin erhöhen die Cholesterinkonzentration im Blut und können zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfällen beitragen. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation hat verarbeitetes Fleisch bereits im Jahr 2015 als krebserregend eingestuft und damit auf eine Stufe mit Rauchen gestellt. Als verarbeitetes Fleisch gelten zum Beispiel Wurst, Schinken, Fleischkonserven und Hackfleisch. Unverarbeitetes Fleisch gilt als wahrscheinlich krebserregend. Nach Schätzungen sterben jedes Jahr weltweit 34.000 Menschen an Krebs, der durch zu hohen Fleischkonsum ausgelöst wurde. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene einen maximalen Verzehr von 300 Gramm Fleisch pro Woche, inklusive daraus hergestellter Wurstwaren, die Werte für Kinder werden derzeit überarbeitet. Tatsächlich essen die Deutschen im Schnitt ein Kilogramm Fleisch pro Woche – also etwa drei Mal so viel wie empfohlen. Ein weiteres Problem ist der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Eben weil die Tiere meist in sehr großen Gruppen und auf engstem Raum stehen, weil ihnen frische Luft und Sonne fehlen, werden sie leicht krank. Daher werden sie oft mit Antibiotika behandelt. Die Menge der verordneten Antibiotika ist in den letzten 15 Jahren deutlich zurückgegangen (von 1.700 Tonnen auf zuletzt 560 Tonnen). Dennoch erhöht der Einsatz das Risiko für resistente Keime, die sich nicht mehr mit Antibiotika behandeln lassen. Bisher ist nicht klar, welchen Einfluss der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung an der Verbreitung von Resistenzen beim Menschen hat.

Für Säuglinge und Kleinkinder empfehlen Fachleute Mischkost, die auch Milch, Käse und Fleisch enthält.
Vegan in Schwangerschaft, Stillzeit und Kindesalter?
Es gibt also viele gute Gründe, die für den Verzicht auf tierische Produkte sprechen. Dennoch sehen Mediziner eine vegane Ernährung insbesondere von Kindern sehr kritisch. Wir geben an dieser Stelle eine Übersicht über die offiziellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen. Beide empfehlen für Schwangere, Stillende, Babys und Kinder eine ausgewogene Mischkost mit Milchprodukten, Fisch und Fleisch. Allerdings sollten auf dem Speiseplan vorrangig Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nudeln, Brot, Kartoffeln und Reis stehen. Tierische Produkte gehören nur in Maßen auf den Teller.
Die DGE hat 2024 eine neue Stellungnahme zu veganer Ernährung veröffentlicht. Neu ist, dass für die eben genannten Bevölkerungsgruppen die Empfehlung neutral ist: Die DGE spricht sich weder für noch gegen eine vegane Ernährung von Kindern und werdenden bzw. stillenden Müttern aus. 2020 war diese explizit nicht empfohlen worden. In der aktuellen Stellungnahme heißt es: „Aufgrund des Risikos für potenzielle, teilweise irreversible Konsequenzen bei inadäquater Durchführung müssen für eine vegane Ernährung in vulnerablen Gruppen besonders fundierte Ernährungskompetenzen vorliegen.“ Es wird unbedingt die Beratung durch eine Ernährungsfachkraft sowie die Einnahme von Vitamin B12 und ggf. weiteren kritischen Nährstoffen empfohlen.
Schwangere sollen neben der generell empfohlenen Supplementation (Folsäure und Jod) dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen, auf eine ausreichende Zufuhr insbesondere der potenziell kritischen Nährstoffe achten und ggf. auf angereicherte Lebensmittel und nach ärztlicher Rücksprache auf weitere Nährstoffpräparate zurückgreifen. Außerdem wird ihnen empfohlen, 200 mg DHA pro Tag zu supplementieren. Stillende sollen unabhängig von der Ernährungsweise zusätzlich jodiertes Speisesalz verwenden sowie 100 µg Jod pro Tag über ein Supplement zuführen, ebenso 200 mg DHA pro Tag.
Für Säuglinge empfiehlt die DGE Folgendes: Vitamin B12 und weitere kritische Nährstoffe wie Jod und Eisen supplementieren. Wenn sie nicht gestillt werden, sondern Flaschennahrung erhalten, sollte bei der Auswahl veganer Säuglingsmilch auf der Basis von Sojaeiweiß darauf geachtet werden, dass diese mit essenziellen Nährstoffen angereichert ist. Als kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung gelten laut DGE: Vitamin B12, Jod, Protein, langkettige n-3-Fettsäuren, Vitamin D,
Riboflavin, Calcium, Eisen, Zink, Selen und ggf. Vitamin A.
Noch zurückhaltender äußert sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen: „Kinder befinden sich im Wachstum, der Organismus reagiert viel schneller und empfindlicher auf Nährstoffmängel. Wenn bei einem Mangel an Vitamin B12 ein Erwachsener zunächst vielleicht nur über brennende Fußsohlen klagen würde, könnten bei einem Säugling oder Kleinkind ernsthafte und bleibende neurologische Schäden entstehen“, sagt der Kinderarzt Dr. Axel Gerschlauer. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, und selbst die schlausten, sich selber seit Jahren gut vegan ernährenden Eltern, wissen ohne professionelle Beratung oftmals nicht genug, um ein gesundes Aufwachsen ihrer Kinder zu gewährleisten.“
Er rät davon ab, Säuglinge und Kleinkinder vegan zu ernähren. Bei älteren Kindern und Jugendlichen sieht er vegane Ernährung als machbar an, empfiehlt Eltern aber eine regelmäßige Blutbildkontrolle und die Beratung durch eine qualifizierte und zertifizierte Ernährungsfachkraft. Ausschließliches Eigenstudium durch Literatur oder z.B. YouTube hätten sich in der Praxis als unzureichend erwiesen, so der Arzt.
Je jünger das Kind, desto engmaschiger sollte das Blutbild kontrolliert werden, mindestens jedoch ein Mal im Jahr, bei Auffälligkeiten früher. Neben dem Blutbild, dem Eisenstoffwechsel und den Schilddrüsenwerten für die Versorgung mit Jod ist besonders auf die Bestimmung des Holotranscobalamins, des aktiven Vitamins B12, zu achten. Es gilt als Frühmarker, da es einen Vitamin B12-Mangel bereits anzeigt, bevor klinische Symptome auftreten. Wenn keine Symptome auf einen Nährstoffmangel hindeuten, müssen die Familien die Kosten für die Labortests selbst tragen.
Mögliche Risiken bei einer mangelnden Nährstoffversorgung durch einseitige Ernährung (und nicht nur vegane Ernährung kann einseitig sein) sind Wachstumsstörungen, Anämien bzw. Blutarmut (Symptome: Müdigkeit, Blässe, Atemnot), Rachitis, Schilddrüsenunterfunktion, gestörte Immunabwehr und neurologische Schäden. Das klingt erstmal gefährlich, lässt sich aber mit professioneller Beratung, guter Küche und Nährstoffsupplementierung gut umgehen.

Quelle: BZfE
Fazit: Als Familie vegan leben?
Wie also lautet unser Fazit? Es gibt jede Menge guter Gründe, die für eine vegane Ernährung und Lebensweise sprechen. Wer sich dafür entscheidet, tut sich selbst, den Tieren und der Umwelt Gutes. Gleichwohl sollte eine vegane Ernährung gut geplant sein – vor allem, wenn Kinder zum Haushalt gehören. Gerade Kinder sind beim Essen öfter mal wählerisch, wollen am liebsten nur Nudeln ohne Soße essen und reagieren allergisch auf Grünzeug. Wenn dann noch weitere Lebensmittel weggelassen werden, kann die Nährstoffversorgung schnell kritisch werden. Andererseits sind viele Lebensmittel von Natur aus vegan, darunter viele Lieblingsgerichte von Kindern wie Pommes oder Nudeln mit Tomatensauce.
Lausitzer Familien stehen vor einer zusätzlichen Hürde, wenn sie sich für vegane Ernährung entscheiden: Es gibt nur wenige Kitas und Schulen mit einem veganen Mittagsangebot und auch in den Gaststätten und Cafés ist die Auswahl überschaubar. Aber aus unserer veganen lausebande-Erfahrung wissen wir, dass die meisten Gastronomien den Wunsch nach einer veganen Variante unkompliziert umsetzen. Wer den Versuch wagen will, kann sich vom kostenfreien 30 Tage-Programm VeganStart mit Infos, Rezepten und Einkaufslisten unterstützen lassen:
Nährstofffibel für vegane Ernährung
Vitamin B12: wichtig für Stoffwechselprozesse wie Zellteilung und DNA-Synthese und für die Funktion des Nervensystems, kommt in pflanzlichen Lebensmitteln nicht vor und muss daher zwingend supplementiert werden
Vitamin B2: wichtig für das Immunsystem, für die Funktion der Nervenzellen und für die Energiegewinnung beim Abbau von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen, antioxidative Wirkung, enthalten in: Mandeln, Cashewkerne, Pinienkerne, Kürbiskerne, Champignons, Steinpilze, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Zuckerschote, Weizenkleie
Vitamin D: wichtig für Knochenaufbau, Zellwachstum und Immunsystem, stellt der Körper v.a. durch Sonneneinstrahlung her, Aufnahme durch die Nahrung spielt nur eine untergeordnete Rolle, enthalten in: Leinsamen, Steinpilze, Butterpilze, Morcheln, Pfifferlinge
Eisen: wichtig für Sauerstofftransport im Blut, enthalten in: Kürbiskerne, Sesam, Pistazien, Mandeln, Feldsalat, Spinat, Mangold, Linsen, Quinoa, Hafer, Hirse, Pfifferlinge, Rote Beete, Kichererbsen, Weiße Bohnen, getrocknete Aprikose, Basilikum, Pinienkerne, Weizenkleie, dunkle Schokolade, Kakaopulver (Backkakao), Paranüsse
Jod: wichtig für die Funktion der Schilddrüse, die zahlreiche Stoffwechselprozesse steuert wie Zellteilung, Körpertemperatur, Knochenwachstum, enthalten in: Meeresalgen (v.a. Norialgen), angereichertes Jodsalz, Wirsing, Brokkoli, Feldsalat, Erdnüsse, Mohn, Sesam, Wassermelone, Tofu, Spinat
Zink: wichtig für: Immunsystem, Proteinstoffwechsel, Wundheilung, Hormonstoffwechsel, enthalten in: Mandeln, Kürbiskerne, Walnüsse, Haferflocken, Weizenvollkornmehl, Sojabohnen, Linsen, Bohnen, Haselnüsse, Kakaopulver (Backkakao), Paranüsse
Selen: wichtig für: antioxidative Abwehr, Aktivierung der Schilddrüsenhormone, Immunsystem, enthalten in: Paranüsse, Steinpilze, Hülsenfrüchte, Brokkoli, Weißkohl, Zwiebeln, Spargel
Kalzium: wichtig für: Knochen, Zähne, Blutgerinnung, Erregung von Nervenzellen, enthalten in: Grünkohl, Spinat, Brokkoli, grüne Bohnen, Pak Choi, Chinakohl, Kichererbsen, Sojabohnen, getrocknete Feigen, Mandeln, Haselnüsse, Haferflocken, Pfefferminze, Petersilie, Melasse-Sirup, z.T. Mineralwasser
Protein: wichtig als Stickstofflieferant für zahlreiche Körpersubstanzen (z. B. DNA, Neurotransmitter), enthalten in: Linsenmehl, Kürbiskerne, Erdnussbutter, Tahini, Mandeln, Pistazien, Leinsamen, Cashewkerne, Haferflocken, Sojabohnen, Chiasamen, Haselnüsse, Walnüsse
Mit diesen Nährstoffen sind vegan lebende Menschen laut Studien sehr gut versorgt:
- Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe
- Beta-Carotin, Folat, Biotin, Vitamin C und E, Kalium, Magnesium
- einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäure
Quelle: IFPE
Von Natur aus vegane Lebensmittel:
Brot (größtenteils, Ausnahmen sind z.B. Croissant, Milchbrötchen, Käsebrötchen), Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen, Linsen, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Pommes, Nüsse, Saaten, Körner, Getreide, Mehl, Gewürze, Kräuter, Margarine, Pflanzenöl, Ketchup, Senf, Marmelade, Sirup, Zartbitterschokolade, Wassereis, Sorbet
Faktencheck: vegane Ernährung
Euer Soja zerstört den Regenwald!
Genau das Gegenteil ist der Fall. 90 % des Sojas, das auf der Welt angebaut wird – und ja, oft auf abgeholzten Waldflächen – werden für die Erzeugung von Tierfutter und Treibstoff verbraucht. Allein Deutschland hat für die Tierhaltung im Wirtschaftsjahr 20254/25 knapp 2,7 Millionen Tonnen Soja importiert. Dagegen wächst das Soja für Produkte wie Sojamilch, Tofu oder Sojajoghurt vor allem in Europa, Kanada und China.
Dann könnt Ihr ja nur noch Gras essen!
Manche Menschen glauben, dass mit dem Verzicht auf Fleisch, Wurst und Milchprodukte jede Menge Vielfalt auf dem Speisplan verloren geht und Veganer nur Grünzeugs essen. Dabei ist die Auswahl allein bei Obst und Gemüse riesig, sie bringen reichlich Farbe auf den Teller. Dazu kommen Nüsse, Saaten, Getreide und die Lebensmittel, die daraus hergestellt werden wie Brot und Nudeln.
Esst doch einfach Biofleisch!
Wir zeigen in diesem Titelthema sehr anschaulich, welchem Leid Nutztiere während ihres kurzen Lebens ausgesetzt sind – und leider geht es Tieren in Biohaltung nicht deutlich besser, auch dort gibt es Massentierhaltung, werden Antibiotika eingesetzt und sind Tiere oft krank. Und schlussendlich verbrauchen auch Tiere in Biohaltung viel Wasser, Fläche und Futter, was langfristig der Umwelt schadet.
Kühe wollen gemolken werden!
Nein, das ist Quatsch. Wie bei allen Säugetieren, geben die Tiere Milch, wenn sie Jungtiere haben. Und für genau die ist die Milch auch gedacht. Aber in der Milchviehhaltung werden Mutter und Kalb kurz nach der Geburt getrennt und die Kuh wird maschinell gemolken und die für das Kalb vorgesehene Milch wird für den Menschen abgefüllt. Die Kühe rufen nach der Trennung noch tagelang nach ihrem Kalb.
Kinder brauchen Milch!
Kinder erhalten anfangs (Mutter-)Milch. Bei etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung stellt der Körper im Laufe der Kindheit die Produktion des Enzyms Laktase ein. Das führt zu einer Laktoseintoleranz. Vor allem in Asien, Afrika und Südamerika leiden viele Menschen daran und vertragen Milchprodukte nur schlecht. Bis vor etwa 7.000 Jahren war diese Laktoseintoleranz auch bei Europäern verbreitet. Mit dem Beginn der Viehzucht hat sich der Körper langsam an den Verzehr von Milch gewöhnt. Natürlich vorgesehen ist er aber nicht. Der Kalzium- und Proteinbedarf lässt sich auch über pflanzliche Lebensmittel decken.
Nährstoffe zuführen ist unnatürlich
Veganer müssen B12 und ggf. weitere Nährstoffe supplementieren, um ihren Bedarf zu decken, da bestimmte Nährstoffe nur in tierischen Produkten vorkommen. Was viele nicht wissen: Auch vielen Tieren in der Landwirtschaft, v.a. Schweinen und Hühnern, wird B12 ins Futter gemischt, es ist also keineswegs natürlich im Fleisch vorhanden. Das liegt daran, dass unsere Böden durch die intensive Nutzung immer mehr ausgelaugt sind und Nährstoffe wie B12 und Selen nicht mehr von Natur aus erhalten.
Der Mensch ist ein Allesfresser!
Tatsächlich war der Mensch schon immer ein Allesfresser, bereits vor zwei Millionen Jahren stand Fleisch auf dem Speiseplan. Allerdings stand damals auch nicht das ganze Jahr über eine große Auswahl an pflanzlichen Alternativen zur Verfügung. Ohne gelegentlich ein Mammut zu erlegen, wäre der Mensch verhungert. Heute ist das Nahrungsangebot bei uns so groß, vielfältig und nährstoffreich, dass wir nicht mehr auf den Verzehr von Fleisch angewiesen sind.
Ich allein kann doch eh nichts verändern.
Mit diesem Totschlagargument brauchen wir gar keine Veränderung mehr angehen – weder in der Energiewende noch bei der Ernährung. Wie wichtig jeder Einzelne ist, zeigt allein die große Vielfalt veganer Produkte im Supermarktregal. Wo es vor zehn Jahren kaum etwas gab, wird heute wegen steigender Nachfrage eine große Bandbreite angeboten – und für jeden Liter Hafermilch müssen letztendlich Kühe weniger leiden.
Wir haben doch wichtigere Probleme als Tierleid.
Natürlich haben wir auf der Welt genug Krisen und Probleme. Doch deswegen brauchen wir nicht den Kopf in den Sand stecken. Tiere fühlen Schmerz und leiden, das ist nicht weniger wichtig als andere Gerechtigkeitsthemen. Gerechtigkeit ist kein Wettbewerb. Wir können uns für viele Veränderungen gleichzeitig einsetzen.

Beim ersten Einkauf für die vegane Woche landeten viele vegane Alternativen für Wurst und Molkereiprodukte im Einkaufswagen, außerdem wie gewohnt Obst, Gemüse und Brot.
Für dieses Titelthema habe ich mit meiner Familie (beide Elternteile und drei Kinder zwischen 10 und 14 Jahren) den Selbsttest gemacht und versucht, eine Woche vegan zu essen und zu trinken. Üblicherweise essen wir klassische Mischkost mit wenig Fleisch und Wurst, zwei von uns ernähren sich seit Jahren vegetarisch. Daher sind wir mit veganen Alternativen bei Wurst und Fleisch bereits vertraut. Für die Testwoche holen wir uns weitere ins Haus: Hafermilch, Sojajoghurt, Butter & Mayonnaise ohne Ei, Käse auf Basis von Kokosöl.
Wir starten mit einer blinden Verkostung, um herausfinden, wie groß die geschmacklichen Unterschiede tatsächlich sind. Bei der Butter lagen 3 von 5 Testern richtig, bei Käse und Joghurt 4 von 5, da war der geschmackliche Unterschied größer, aber nicht so eindeutig wie vermutet. Ein Tütenrührei soll das Sonntagsei ersetzen, überzeugt uns aber nicht – weder von der Zubereitung und Textur her, noch vom Geschmack.
Bei der Mittagsversorgung der Kinder in der Schule gehen wir einen Kompromiss ein: Weder Mensa noch Cafeteria haben – abgesehen von Pommes – vegane Speisen zur Auswahl. In die Frühstücksbrotdose kommt aber nur veganes Essen: wie gehabt Obst und Gemüse, auf das Brot vegane Butter und auf Wunsch vegane Wurst. Mit dem veganen Käse kann sich keins der Kinder anfreunden. Eine warme tierfreie Mahlzeit gibt es jeden Tag Zuhause. Dafür lasse ich mich auf dem Blog veganmom.de inspirieren. Die Rezepte sind familientauglich und leicht umzusetzen. Wir essen u.a. Möhren-Erdnuss-Risotto, Linsensuppe und Reis mit veganen Frikadellen. Ich bin begeistert von den neuen Aromen und Zutaten. Erdnussbutter, Kokosmilch, Bohnen und Linsen, mit denen wir bisher nur selten gekocht haben, sind eine echte Bereicherung für unseren Speisenplan.
Nach einer Woche sind die Kinder dankbar, dass sie ihre gewohnten Milchprodukte wieder im Kühlschrank haben. Mein Fazit fällt durchwachsen aus: Die veganen Alternativen für Milch, Käse und Co. sind ungewohnt, aber vermutlich könnten wir uns an den Geschmack gewöhnen. Finanziell war der Unterschied nicht so groß. Einen Punkt Abzug gibt es bei der Verpackung: Weder Hafermilch noch Sojajoghurt gibt es im wiederverwendbaren Pfandglas. Außerdem störe ich mich an den vielen Inhaltsstoffen der veganen Milchprodukte, bei der Butter beispielsweise Glyceride, Farbstoffe und Emulgatoren.
Für eine Woche war die vegane Ernährung okay, aber dauerhaft will ich auf bestimmte Produkte wie Honig und Ei nicht verzichten. Gleichwohl weiß ich, dass es rational kein Argument gibt, das dafür spricht, trotz des Tierleids weiter Milch, Eier und Käse zu essen. Tatsächlich hätte ich die Sorge, dass meinen Kindern Nährstoffe fehlen, wenn wir dauerhaft vegan leben. Daher haben wir zwar mit ihnen über Massentierhaltung gesprochen, uns aber dagegen entschieden, ihnen entsprechende Fotos und Videos zu zeigen. Und so steht am Ende ein Kompromiss: Auf die Teller kommen häufiger Linsen, Bohnen und Nüsse. Nudeln kaufen wir nur noch ohne Ei. Bei Butter und Milch greifen wir künftig ab und zu zur veganen Alternative.

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Massentierhaltung und ihre Missstände
So leiden Tiere, bevor sie auf unserem Teller landen
98 Prozent des in Deutschland verzehrten Fleisches stammt aus der Massentierhaltung. Das heißt fast alle Tiere, deren Milch, Eier und Fleisch wir konsumieren, wachsen unter furchtbaren Bedingungen auf. Wir benennen beispielhaft ein paar besonders grausame Misstände.
Schwanz kupieren: Ein Schwein hat im Stall nur 0,75 Quadratmeter Platz. Der Mangel an Auslauf und Beschäftigung frustriert die Tiere und macht sie aggressiv. Damit sie sich nicht gegenseitig in den Schwanz beißen, wird Ferkeln kurz nach der Geburt ohne Betäubung der Ringelschwanz abgeschnitten – entweder mit einem heißen Kupiereisen oder einem Skalpell.
Zähne schleifen: Ferkeln dürfen in den ersten acht Lebenstagen die Zähne ohne Betäubung mit einer elektrischen Schleifmaschine abgeschliffen oder mit einer Zange abgekniffen werden, damit sie weder die Sau noch ihre Geschwister beim Kampf um die Zitzen verletzen.
Markieren: Um Tiere bis zum Mastbetrieb zurückverfolgen zu können, werden sie vor dem Transport in den Schlachthof mit einem Schlagstempel markiert. Die scharfen Nadeln des Stempels enthalten Tinte und werden auf zwei Seiten in den Körper des Tieres geschlagen – ohne Betäubung.
Mästen bis zum Umfallen: Um noch mehr Gewinn zu erzielen, werden Hühner regelrecht gemästet. Vor 50 Jahren wurde ein Huhn nach zwei Monaten mit einem Gewicht von einem Kilogramm geschlachtet. Heute wird im Alter von 35 Tagen mit rund 1,6 Kilogramm geschlachtet. Tatsächlich hat ein Huhn in artgerechten Lebensbedingungen eine Lebenserwartung von sieben Jahren. Die Knochen können mit der rasanten Gewichtszunahme nicht mithalten und deformieren sich unter der Last. Die derart gemästeten Tiere sind permanent gestresst, verwirrt, aggressiv.
Schnäbel kürzen: Jahrzehntelang war es üblich, dass bei jungen Legehennen der Schnabel kupiert, also gekürzt wurde – meist wurde er mit heißem Infrarotlicht ohne Betäubung weggebrannt. Seit 2017 ist das in Deutschland verboten. Immer noch erlaubt ist es bei Puten, da sie deutlich agiler sind und sich häufig gegenseitig verletzen.
Misslingende Betäubung: Zum Schlachten werden Hühner mit Kohlendioxid oder elektrischem Strom betäubt und fahren dann – an den Füßen aufgehängt – an einem Messer vorbei, das ihnen einseitig eine Halsschlagader durchtrennt. Immer wieder kommt es vor, dass die Arterie nicht getroffen wird, die Hühner überleben. Sie landen dann bei Bewusstsein zur Reinigung des Gefieders im heißen Brühbad. Bei den Schweinen ist ähnlich: Schätzungen zufolge wachen jährlich etwa 50.000 Schweine auf, bevor ihnen im Dampfbrühtunnel Haut und Borsten verbrüht werden. Rinder werden vor dem Schlachten mit einem Bolzenschussgerät betäubt. Bei etwa drei Prozent der Tiere wirkt der Schuss nicht und es muss teils mehrfach nachgeschossen werden.
Kastenstand: Der Kastenstand ist ein enger Metallkäfig, in dem trächtige und säugende Sauen über Wochen fixiert werden. Wollen sie sich hinlegen, ragen ihre Beine in den Nachbarkäfig, in dem das nächste Muttertier untergebracht ist. Die Tiere geraten so in massiven Stress, die Folgen sind Fleischwunden, Schaum vor dem Maul und unruhiges Leerkauen. Da sie immer wieder besamt werden, verbringen Sauen im Schnitt fünf Monate pro Jahr im Kastenstand.
Häufige Besamung: Kühe sind Säugetiere und geben Milch nur, wenn sie Junge haben – wie der Mensch. Den Kälbern wird die Milch aber vorenthalten, damit sie für den Menschen abgefüllt werden kann. Die Jungtiere erhalten Ersatzmilch, sogenannten Milchaustauscher. Die Milchkühe geben für etwa 10 Monate Milch. Damit die Milchproduktion danach nicht stoppt, werden sie etwa zwei Monate nach der Geburt erneut besamt und gebären so etwa ein Kalb pro Jahr. Durch die maximale Milchleistung, die sie erbringen müssen, leiden viele Kühe an Stoffwechselstörungen und Euterentzündungen.
Anbindehaltung: Die meisten Rinder in Deutschland stehen ganzjährig im Stall, etwa zehn Prozent von ihnen werden immer noch in der Anbindehaltung gehalten. Das heißt, sie sind mit Ketten oder anderen Vorrichtungen am Hals fixiert und stehen in Reihen eng nebeneinander – vor ihnen der Futtertrog, hinter ihnen die Kotrinne. Oft ist der Platz so knapp bemessen, dass die Tiere mit den Hinterbeinen in ihren Fäkalien stehen.
Hörner ausbrennen: Kälbern werden die Hornanalagen ausgebrannt bzw. thermisch verödet, um das Verletzungsrisiko für den Menschen und die Rinder untereinander zu reduzieren. Das ist bis zum Alter von sechs Wochen ohne Betäubung zulässig. Für die Tiere ist es sehr schmerzhaft, da in den Hörnern Nerven verlaufen.
Aquakultur: Sie wird als nachhaltige Alternative zur Fischerei vermarktet. Doch auch die Aquakultur ist eine Form der Massentierhaltung mit verheerenden Folgen für Tiere, Umwelt und Menschen: Aquakulturen brauchen Platz und verdrängen natürliche Landschaften. So wurden für Shrimp-Farmen in Mittelamerika und Asien Mangrovenwälder gerodet. Die enge Haltung der Tiere führt zu Krankheiten und Parasiten, die sich teilweise auch auf wildlebende Meerestiere ausbreiten. Außerdem führt das zum Einsatz von Antibiotika und Chemikalien. Durch Futterreste und Fäkalien der Fische kommt es lokal zu Überdüngung und in der Folge zu Sauerstoffmangel im Wasser. Weltweit kommen mittlerweile mehr Fische und Meerestiere aus Aquakultur als aus Wildfang.
Lebendig im Kochtopf: Hummer dürfen laut Tierschutzgesetz lebendig in kochendes Wasser geworfen werden, wo sie dann laut Tierschutzorganisationen minutenlang Schmerzen leiden, bevor sie sterben. In einigen Ländern wie Norwegen und der Schweiz ist diese Praxis bereits verboten. Schon vorher haben die meisten Hummer einen langen Leidensweg hinter sich. Nach dem Fang werden sie über tausende Kilometer mit zusammengebundenen Scheren und ohne Nahrung transportiert.
Ein Herz und ein Platz für Tiere – wir stellen drei Lebenshöfe und die Geschichte dahinter vor

Lebenshof Freiimfelde bei Luckau
Hinter dem Lebenshof Freiimfelde bei Luckau stehen Simone und Thomas, die beide hauptberuflich als Lehrkraft an einer Schule arbeiten. Ihre Freizeit nutzen sie, um aussortierte und kranke Tiere zu betreuen. Vor gut 15 Jahren entstand die Idee zum Lebenshof, 2011 haben sie eine ehemaligen LPG-Anlage gekauft und die ersten Tiere aufgenommen: Laborkaninchen, Schlachtponys und verwaiste Katzenbabys. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Tiere dazu: Ziegen, Esel, Schafe, Schweine, Igel. Derzeit leben etwa 50 Tiere auf 30.000 m² Fläche. „Wir können nicht jedes Tier retten“, wissen die beiden, aber: „Wir können dem Tier, das wir aufnehmen, einen schönen Lebensabschnitt bieten!“ Um die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen, haben sie einen gemeinnützigen Verein gegründet. Wer die Arbeit des Vereins unterstützen möchte, kann für 5 Euro monatlich Fördermitglied werden, eine Tierpatenschaft übernehmen oder Geld spenden. Jeden Monat gibt es Hofführungen, die nächste am: 9.5.2026. Anmeldung über: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

HerzMuht bei Bischofswerda
Für die bei Bischofswerda lebenden etwa 120 Kühe und Ochsen war es ein großes Glück, dass Landwirt Pierre den Hof 2019 übernommen hat. Er beschloss, aus der konventionellen Milchviehwirtschaft auszusteigen. Zunächst dachte er über den Umstieg auf Bioproduktion nach, entschloss sich dann aber für den mit Blick auf das Tierwohl einzig konsequenten Weg: Die Tiere dürfen auf dem Hof bleiben, müssen aber keinen landwirtschaftlichen Nutzen mehr bringen: „Wir ermöglichen allen hier lebenden ehemaligen Nutztieren ein artgerechtes und friedliches Leben ohne Ausbeutung. Das schulden wir unseren Milchkühen für die jahrelangen Gaben“, sagt der Landwirt. Gemeinsam mit Partnerin Irina und vielen Unterstützern versorgt er die Tiere. Besonders wichtig ist die Unterstützung durch Tierpatenschaften, die ab 5 Euro monatlich möglich sind. Insgesamt fallen für jedes Tier monatlich etwa 120 Euro Kosten für Futter, Haltung und Tierarzt an. Wer sich ein Bild vor Ort machen will, kann den Tag der offenen Stalltür nutzen, das nächste Mal voraussichtlich im August. Der Termin wird auf der Website bekanntgegeben.

Lebenshof Wilder Spreewald
Seit mehr als sechs Jahren herrscht in der Ukraine Krieg. Während in den Medien oft vom Leid der Menschen berichtet wird, ist das der Tiere weniger präsent. Victoria und Joris aus Berlin machten sich unabhängig voneinander kurz nach Kriegsbeginn auf den Weg in die Ukraine, um Futter, Medikamente und Sachspenden für die betroffenen Tiere abzugeben. Das Leid erschütterte sie so sehr, dass sie sich zusammentaten und den Verein ddao Tierschutz e.V. gründeten, um den Tieren noch besser und nachhaltiger helfen zu können. Um sich auch in Deutschland ganz ihrem Herzensanliegen Tierschutz widmen zu können, haben die beiden vor zwei Jahren den Lebenshof Wilder Spreewald bei Münchehofe gegründet, zu dem auch eine Wildtierauffangstation gehört. Dort ist ein Refugium für Haus-, Nutz- und Wildtiere entstanden, die gerettet oder aus schlechten Haltungsbedingungen befreit wurden. Auch aus der Ukraine gerettete Hunde werden hier versorgt und vermittelt. Wer den Verein und sein Projekt unterstützen möchte, kann dies über Spenden und Tierpatenschaften machen.
www.ddao-tierschutz.de/lebenshof

Gemütlich vegan speisen – das geht in der Lausitz beispielsweise im Suppenstübchen (li.) und im Café Chill & Charge (re.).
Einkaufen und Essengehen ohne Tierleid – wo in der Lausitz gibt es vegane Angebote?
Eins vorweg: Wer vegan lebt, wird in jedem Supermarkt oder Wochenmarkt fündig. Denn die Hauptzutaten für gesunde Ernährung findet jede Familie in der Obst- und Gemüseabteilung – und Früchte sollten ohnehin einen großen Teil auf dem Speiseplan ausmachen, ganz unabhängig davon, ob man sich vegan, vegetarisch oder anders ernährt. Frisch und regional ist die Auswahl, wenn man eine Gemüsekiste abonniert, es gibt mehrere Anbieter in der Lausitz. Darüber hinaus haben alle Supermärkte mittlerweile ein kleines Angebot an veganen Alternativen zu Fleisch, Wurst, Milch, Joghurt und Käse, wobei das Angebot bei Rewe und Edeka, Kaufland und Globus größer ist als bei den Discountern.
Wer auswärts essen gehen will und auf eine große Auswahl an veganen Gerichten hofft, wird in der Lausitz enttäuscht. Mit dem Innuendo in Görlitz und dem Café Carotteria in Bautzen haben wir zwei Gastronomien mit einem rein veganen Angebot gefunden, viele Gaststätten und Cafés haben zumindest vegane Gerichte auf der Speisekarte. Hier ein kleiner Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Cottbus: Hier konnten wir bei unserer Recherche kein rein veganes Gastronomieangebot ausfindig machen, was für eine Studentenstadt dieser Größe bemerkenswert ist. Vegane Gerichte findet man u.a. auf den Speisekarten vom Bellessa, vom Café LeFran, von der Kartoffelkiste, vom Suppenstübchen und Miris Grüner Küche. Süßmäuler werden im Café Schiller und im Lauterbach (veganer Baumkuchen!) fündig.
Burg/Spreewald: Das Restaurant zur Kräutermühle, das Konrad’s und das Café Chill & Charge haben eine kleine Auswahl an veganen Speisen auf der Karte.
Finsterwalde: Mittagsimbiss „Suppengrün“ bietet auch vegane Gerichte, Bäckerei Beans and Cakes mit veganer Auswahl an Torten, Cupcakes und Kuchen
Senftenberg: Restaurant Die Drogerie mit kleiner Auswahl an veganen Speisen
Spremberg: Imbiss & Catering Schmackoland mit veganer Speisenauswahl
Bautzen: Café Carotteria mit komplett veganem Angebot, Restaurant Grünschnabel mit vorrangig veganen und einigen vegetarischen Speisen
Görlitz: Imbiss Kochwerk mit wechselnden veganen Tagesgerichte, Innuendo mit ausschließlich veganem Angebot
Außerdem haben einige Fast Food Ketten wie Tele Pizza, Dominos, McDonalds und Burger King vegane Gerichte auf der Karte. Wer mehr will, dem empfehlen wir einen Ausflug nach Berlin – im Vergleich zur Lausitz ist das für vegan lebende Menschen ein Schlaraffenland. Dort gibt es dutzende Cafés, Bäckereien, Imbisse und Restaurants, die komplett auf tierische Produkte verzichten.
Da die Auswahl an veganen Angeboten in der Lausitzer Gastronomie überschaubar ist und da sich überraschend viele und schmackhafte Gerichte aus wenigen Zutaten selber zaubern lassen, empfehlen wir an dieser Stelle die eigene Küche. Familien, die ohnehin gern kochen, können testweise mal ein paar tierische Zutaten weglassen oder durch vegane Alternativen ersetzen. Dazu kommt: Viele bei Kindern beliebte Klassiker kommen ohnehin weitgehend ohne tierische Produkte aus: Pommes, Pizza, Nudeln mit Tomatensoße. Wir verlinken an dieser Stelle vegane Foodblogs mit jeder Menge Inspiration für die heimische Küche und auf der kommenden Doppelseite haben wir gemeinsam mit dem Foodblog Zucker&Jagdwurst ein paar Rezepte zusammengestellt, die sich einfach nachkochen lassen.

Inspirationen für die vegane Familienküche
Wir präsentieren Rezepte des Foodblogs Zucker&Jagdwurst
Der Foodblog Zucker&Jagdwurst teilt seit zehn Jahren vegane Rezepte – süße wie herzhafte, darunter auch klassische Hausmannskost in veganer Variante. Wir stellen einige vor. Noch mehr Rezepte sind im Kochbuch „Deutsche Küche Vegan“ versammelt, das gibt es via @zuckerjagdwurst (Social Media) oder unter www.zuckerjagdwurst.de.
Wikingertopf
Zutaten:
- 1 Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- 2 Karotten
- 2 EL vegane Butter
- 1 EL Mehl
- 500 ml Gemüsebrühe
- 250 ml vegane Kochsahne
- 150 g TK-Erbsen
- 1 TL Senf
- 3 EL Hefeflocken
- Muskat, Salz, Pfeffer
- 150 g vegane Frikadellen / Burger Patties (z. B. Linsen-Burger von Bauck Mühle)
- Öl zum Braten, Petersilie zum Garnieren
- 1 kg vorwiegend festkochende Kartoffeln
Zubereitung: Die Kartoffeln schälen, schneiden und ca. 20 Minuten kochen lassen, bis sie gar sind. In der Zwischenzeit Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln. Karotten in Scheiben schneiden. Die veganen Frikadellen nach Packungsanleitung zubereiten. Anschließend in derselben Pfanne die vegane Butter erhitzen und Zwiebeln, Knoblauch und Karotten bei mittlerer Hitze ca. 5 Minuten anbraten. Mehl über das Gemüse stauben und ca. 1 Minute unter Rühren anrösten. Mit Gemüsebrühe und veganer Kochsahne ablöschen und gut verrühren, bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind. Kurz köcheln lassen, bis die Soße etwas andickt. Erbsen dazugeben und weitere 3–4 Minuten köcheln lassen, bis die Erbsen gar sind. Mit Senf, Hefeflocken, Muskat, Salz und Pfeffer abschmecken. Die gebratenen Frikadellen in die Soße geben, mit frischer Petersilie garnieren und mit den Kartoffeln servieren.

Köttbullar-Pasta
Zutaten:
- 250 g Nudeln
- 180 g Köttbullar-Mix (z. B. VeggieMix Köttbullar bio von Bauckhof)
- Pflanzenöl zum Braten
- 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe
- 3 EL vegane Butter
- 3 EL Weizenmehl
- ca. 400 ml Gemüsebrühe
- 250 ml pflanzliche Sahne
- 1 TL Tomatenmark
- 1 Lorbeerblatt
- 1 Prise Piment, 1 Prise Muskat
- Salz, Pfeffer, Öl zum Braten
- Preiselbeermarmelade & Petersilie zum Garnieren
Zubereitung: Für die Rahmsoße Zwiebel und Knoblauch schälen und fein würfeln. Die Butter in einem kleinen Topf schmelzen lassen. Zwiebel und Knoblauch darin anschwitzen. Das Mehl gründlich einrühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Danach Gemüsebrühe, Sahne und Tomatenmark unter Rühren dazugeben, bis eine glatte Soße entsteht. Das Lorbeerblatt dazugeben und die Soße mit Salz, Pfeffer und Piment würzen und bei kleiner Hitze köcheln lassen. In der Zwischenzeit die Nudeln kochen und vor dem Abgießen etwas vom Kochwasser beiseitestellen. Den veganen Köttbullar-Mix nach Packungsanleitung anrühren – und aus der Mischung ca. 20 vegane Köttbullar formen. Anschließend in Öl in der Pfanne anbraten. Nudeln mit der Soße und ggf. etwas Nudelwasser vermengen. zur Rahmsoße geben und gut vermengen und mit Köttbullar, Preiselbeermarmelade und Petersilie servieren.

Linsen-Bolognese mit Spaghetti
Zutaten:
- 2 Zwiebeln
- 4 Knoblauchzehen
- 2 Karotten
- 2 kleine Stangen Sellerie
- 250 g Pilze
- 2 EL Tomatenmark
- 500 g passierte Tomaten
- 500 g gestückelte Tomaten
- 500 ml Gemüsebrühe
- 250 g Rote Linsen
- 4 TL italienische Kräuter
- 2 TL Ahornsirup
- 20 g dunkle Schokolade, 100 % Kakaoanteil
- Salz, Pfeffer Olivenöl zum Braten
- 500 g Spaghetti
- 100 g veganer Parmesan oder Hefeflocken
- frische Kräuter
Zubereitung: Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken, Karotten, Sellerie und Pilze in kleine Würfel schneiden. Zwiebeln und Knoblauch in einem Topf in Olivenöl anbraten. Tomatenmark unterrühren und nochmals für einige Sekunden braten lassen. Gemüse- und Pilzwürfel zugeben und unter Rühren 10 Minuten lang anschwitzen. Mit passierten und gestückelten Tomaten sowie Gemüsebrühe aufgießen. Zum Schluss rote Linsen, italienische Kräuter, Ahornsirup, Schokolade, Salz und Pfeffer dazugeben und die Bolognese nochmal abgedeckt für 30 Minuten köcheln lassen. Spaghetti nach Packungsanleitung zubereiten und ca. 100 Milliliter vom Nudelwasser auffangen. Dieses in die Bolognese rühren und die Spaghetti zusammen mit der Soße servieren. Mit Parmesan oder Hefeflocken und frischen Kräutern garnieren.

Funfetti Cake
Zutaten für den Teig:
- 350 g Weizenmehl (Type 405)
- 1 Pckg. Backpulver
- 200 g Zucker
- 4 Pckg. Vanillezucker
- 350 g pflanzliche Milch
- 120 ml neutrales Pflanzenöl
- 1 Zitrone (Abrieb & Saft)
- 1 Prise Salz
- 100 g vegane Funfetti-Streusel
Zutaten für die Creme:
- 200 g vegane Butter (Zimmertemperatur)
- 200 g Puderzucker
- 100 g veganer Frischkäse (Zimmertemperatur)
- Saft einer halben Zitrone
- 1 Msp. Vanille
- 24 g Sahnesteif
- 50 g vegane Funfetti Streusel
Zubereitung: Zucker, Vanillezucker, pflanzliche Milch, Öl, Zitronenabrieb und -saft sowie Salz verrühren, anschließend Mehl und Backpulver dazugeben und alles kurz zu einem glatten Teig verrühren. Zum Schluss die Funfetti-Streusel unterheben. Den Teig in eine gefettete Kastenform füllen und auf der mittleren Schiene circa 45–50 Minuten bei 180 Grad Ober-/Unterhitze backen. Für die Creme vegane Butter mit dem Puderzucker cremig aufschlagen. Den veganen Frischkäse löffelweise unterrühren. Anschließend Zitronensaft, Vanille und Sahnesteif zugeben und gut vermengen. Die Creme sollte stabil, aber streichfähig sein. Anschließend auf dem ausgekühlten Kuchen verteilen und mit weiteren Funfetti-Streuseln dekorieren.





