Kinder brauchen Musik Teil 10 – „Höre die Stille“ Fortsetzung
Der Herbst hat seinen Einzug gehalten, die Blätter sind bunt gefärbt und einige diese kleinen Kunstwerke kann man nun auf dem Boden betrachten Was gibt es schöneres als einen schönen Herbstspaziergang im Sonnenschein, das Laub raschelt leise unter den Füßen, die Farbenvielfalt der Bäume, das Schnattern der Wildgänse, welche sich auf den Weg in wärmere Länder machen. Aber auch der Regen, der mit seinen kleinen Tropfen auf den Fensterscheiben kleine rhythmische Klänge hinterlässt oder die Gesänge des Windes, wenn er mit viel Gebraus um die Hausecke pfeift. Diese vielen kleinen Situationen bieten uns zahlreiche Möglichkeiten einmal kurz inne zu halten und zu lauschen und intensiv wahrzunehmen.
Vielleicht haben sie sich ja auch ab und zu einmal etwas Zeit für sich genommen und die eine oder andere Anregung zum Hören der Stille ausprobiert? Allein oder mit ihrer Familie? Wenn nicht, dann probieren sie es ruhig einmal am Wochenende aus, bevor es in die neue Woche geht.
Mein jüngster Sohn ist nun mittlerweile 2 ¾ Jahre alt und es gibt immer wieder interessante und neue Eindrücke an ihm zu erleben, ihn beim Spielen zu beobachten, neue Fähigkeiten zu entdecken. Was ihm aber genauso viel Freude wie das Spielen allein oder mit anderen Kindern, das Laufen auf der Wiese, Fahren mit dem Laufrad…macht, sind die kleinen Ruhepausen zwischen durch.
Ruhepausen in denen wir uns gemeinsam hinsetzen und dem Gesang der Vögel lauschten oder dem leisen Plätschern der Wellen, aber auch dem verschiedenen Klängen des Regens, dem Windspiel an einem Haus und vieles mehr. Dieses kleine kurze Innehalten, Lauschen, in sich Hineinhorchen, Beobachten, Erkunden war nicht nur ein Moment einer intensiven Nähe, des Geborgenseins, der Vertrautheit, sondern gleichzeitig ein Auftanken von Energie um wieder offen für neues zu sein oder eine Tätigkeit fortzusetzen. Diese Wirkung war bzw. ist für beide Seiten, für die Eltern ebenso wie für das Kind bzw. die Kinder, ein intensives Gefühl der Gemeinsamkeit und trotzdem loslassen zu können. Wenn sie es also noch nicht ausprobiert haben, dann beginnen sie jetzt einmal damit und lassen sich überraschen wie es ihnen danach geht.
Stille spielt in der ganzen kindlichen Entwicklung, insbesondere schon in der frühen Mutter – Kind – Interaktion eine wesentliche Rolle. Die Bedeutung von Stille erfährt es bereits im Mutterleib. Die körperhaft erhorchte und erspürte Kontinuität von Herzrhythmus, Atem, Darmgeräuschen und Bewegungen der Mutter ebenso wie die eigene „Körpermusik“ des noch ungeborenen Kindes können als ein besonderer Raum der Stille gesehen werden. Das ist Stille? Ja hier wird von“ lebendiger Ruhe“ oder „summender Stille“ gesprochen. Der Wechsel von Ruhe, wenn z.B. die Mutter schläft bzw. schweigt oder sich in ruhigen Räumen aufhält und eindringenden akustischen Eindrücken, wenn die Mutter spricht, bzw. andere Stimmen, Musik oder Alltagsgeräusche macht das Kind erste Erfahrungen mit Stille und Nicht-Stille.
Auch psychische Veränderungen der .Mutter (Freude, Angst, Stress, Erschrecken, etc.) sind als Einbrüche in diesen Stilleraum zu sehen. Solange diese sich in einer gewissen Grenze bewegen sind sie stärkende vorbereitende Ereignisse auf die Wechsel wie z. B. Wechsel zwischen Lärm und Stille oder Ruhe und Unruhe. Wird diese individuelle Toleranzgrenze überschritten, wird das Kind gestört, überfordert und verunsichert. Die Bedeutung dieser Wechsel zwischen Stille und Aktivität zieht sich durch die gesamte Entwicklung des Kindes und ist für einen gesunden Verlauf unverzichtbar. Aufgabe der Eltern bzw. Erwachsenen muss es daher sein, das Kind darin zu unterstützen eine gesunde Balance zwischen Ruhe und Aktivität bzw. Stille und Ablenkung zu erhalten bzw. zu entwickeln. Hier einige kleine Übungsvorschläge bzw. Ideen für den Alltag, um diese Fertigkeiten zu erhalten bzw. zu entwickeln:
1. Der Wechsel von Stille und Musik/ Aktivität (z.B. Musik – Pause – Musik)
2. Laut beginnen und immer leiser werden, bis hin zur Stille.
3. Stille aushalten – als Spiel: „Wer kann am längsten warten?“ bzw. „Wer hält Stille am längsten aus?“
4. In die Stille horchen und sich erzählen, was man gehört hat,
5. Sich solange im Raum bewegen, wie Musik oder andere Klänge ertönen, in der Bewegung innehalten wenn
diese verstummen
6. So leise spielen wie möglich.
Probieren sie einmal aus wie es sich für sie und ihr(e) Kind(er) anfühlt, sich etwas Ruhe bzw. Stille zu gönnen





