
Stilldauer allgemein
Das natürliche Abstillalter liegt beim Menschen zwischen 2,5 und 7 Jahren. In vielen menschlichen Gesellschaften wurden/werden die Kinder 3-4 Jahre gestillt. Bis in die 2000er-Jahre hinein gab es hierzulande aufgrund mangelnder Informationen oft nur eine kurze Stilldauer von nur wenigen Monaten. Heute stillen immer mehr Mütter aufgrund der enormen gesundheitlichen Vorteile (u.a. Stärkung des Immunsystems für das Kind, Reduktion des Krebsrisikos für die Mutter) oft zwei Jahre oder länger, wie auch von der WHO empfohlen. Im Idealfall beenden Mutter und Kind im gegenseitigen Einvernehmen die Stillbeziehung.
Berufstätigkeit ist sicherlich kein zwingender Abstillgrund, viele Mütter kombinieren Stillen und Arbeiten ganz einfach. Die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit der Mutter nach der Elternzeit bedeutet eine große Umbruchphase für das Kind, schließlich ist die Mutter als Hauptbezugsperson mehrere Stunden abwesend und das Kind wird von anderen Personen in einer anderen Umgebung betreut (wenn nicht im Homeoffice gearbeitet wird), was z. T. sehr stressig für das Kind sein kann. Hierbei wirkt weiteres Stillen bindungserhaltend/-fördernd; das Kind erhält nach der mütterlichen Abwesenheit durch das Stillen wieder Nähe und Geborgenheit und kann den „Tag verdauen“.
Generell sollten große Umbrüche im Leben eines Babys/Kleinkindes wie Wiedereinstieg in den Beruf der Hauptbezugsperson, Eingewöhnung/Kita-Besuch, Abstillen und Ausquartieren des Kindes ins eigene Bett ins eigene Zimmer, nicht gleichzeitig ablaufen.
Rechte als stillende Mutter
Als berufstätige stillende Mutter genießt man besondere Rechte: Bezahlte Freistellungen zum Stillen/Abpumpen von Muttermilch sind bis zum 1. Geburtstag des Kindes vorgesehen. Arbeitet die stillende Frau mehr als 8 Stunden am Tag zusammenhängend, dann ist eine Freistellung von mindestens 45 Minuten 2x am Tag oder 1x eine Stillzeit von min. 90 Minuten zu gewähren. Für das Abpumpen oder Gewinnen von Muttermilch ist vom Arbeitgeber ein Raum bereitzustellen. Der Raum sollte abschließbar sein und sollte eine passende Sitzgelegenheit und eine Stellfläche haben. Ein Waschbecken und eine Kühlmöglichkeit sind aus hygienischen Gründen empfehlenswert. Viele Mütter transportieren die abgepumpte Milch in speziellen Muttermilchkühltaschen. Die abgepumpte Milch kann entweder (max. 3 Tage bei 4°C) im Kühlschrank aufbewahrt und am nächsten Tag gefüttert oder eingefroren (max. 6 Monate bei -18°C) werden.
Eine stillende Frau darf nicht dazu angehalten werden, gefährdende Arbeiten auszuführen, dies beinhaltet die Arbeit mit Gefahr-/Biostoffen, physikalischen Einwirkungen sowie Tätigkeiten mit vorgeschriebenem Arbeitstempo (z.B. Akkord- und Fließbandarbeit). Sie muss auch nicht abstillen, sondern der Arbeitgeber muss bis zum Ende der Stillzeit auf das Stillen Rücksicht nehmen.
Darüber hinaus darf die stillende Frau nicht mehr als 8,5 Stunden am Tag oder über 90 Stunden in der Doppelwoche arbeiten. Grundsätzlich verboten ist auch die Beschäftigung nach 22.00 Uhr. Dementsprechend darf eine stillende Frau keine Nachtschicht antreten; aufgrund dieser Einschränkung darf sie auch nicht benachteiligt werden. Zwischen 20.00 und 22.00 Uhr darf der Arbeitgeber die stillende Frau nur dann beschäftigen, wenn sie sich dazu ausdrücklich bereit erklärt; außerdem darf nach ärztlichem Zeugnis nichts dagegen sprechen.
Am besten ist es, bereits vor Wiederaufnahme der Arbeit mit dem Arbeitgeber ganz offen über das Stillen zu sprechen. Die stillende Mutter kann mittels Attest – ausgestellt durch ihre/-n Gynäkolog*in, nachweisen – dass sie noch stillt.
Wie sieht Stillen und Berufstätigkeit in der Praxis aus?
Dazu hat uns Nadine, 32 Jahre alt, aus Lübben, ihren Alltag beschrieben: „Mein Sohn ist 17 Monate alt und wird noch gestillt. Wir stillen gleich morgens nach dem Aufwachen. Nachmittags, wenn ich von der Arbeit komme und Theo aus der Kita abgeholt habe, will er zu Hause auch erstmal ausgiebig stillen, auch wenn er bei allen Mahlzeiten schon normal mitisst. Er braucht das richtig, um nach dem langen Tag wieder aufzutanken. Außerdem stillen wir abends zum Einschlafen sowie noch 2 bis 3 Mal in der Nacht. Meine Brust hat sich auch total schnell drauf eingestellt, dass die Milch tagsüber über einen langen Zeitraum nicht abgetrunken wird, das war gar kein Problem. Durch das Stillen haben wir schon viele Kita-Infekte besser überstanden. Ich finde das Stillen so schön und hoffe, dass Theo noch lange von der Milch profitieren kann.“
Eine Hebamme/Stillberaterin kann in Bezug auf die Kombination von Stillen und Berufstätigkeit individuell beraten. Gern geben die Regionalnetzwerke Gesunde Kinder vor Ort weitere Auskunft oder Informationen über Beraterinnen in der Region.
Mehr Informationen erhalten Sie unter:





