Ideen für Energiesparer

Datum: Freitag, 28. Januar 2022 14:43

Ein Ratgeber rund um Wohnen und Energie

Die Post, die Familien in den zurückliegenden Wochen von ihren Energieversorgern erreicht hat, dürfte in den meisten Fällen wenig erfreulich gewesen sein. Der Anstieg der Strom- und Gaspreise, der im Herbst vergangenen Jahres eingesetzt hat, ist nun auch bei den Versorgern angekommen. Sie geben die Preiserhöhungen an die Kunden weiter. Nach Angaben von strom-report.de haben die Versorger Preiserhöhungen von durchschnittlich 68 Prozent angekündigt. Das dürfte sich in deutlich höheren Abschlägen bemerkbar machen.

Derzeit liegt der Strompreis in Deutschland bei etwa 32 Cent pro Kilowattstunde. Das ist doppelt so viel wie noch vor 20 Jahren. Damit gehört Deutschland weltweit noch immer zu den Ländern mit den höchsten Preisen. In den meisten europäischen Nachbarländern zahlen Haushalte etwa zehn Cent weniger. Auch die Gaspreise sind zuletzt deutlich gestiegen. Die Gründe dafür sind vielschichtig, was schon daran liegt, dass sich die Preise für Strom und Gas aus mehreren Komponenten zusammensetzen – so macht die Beschaffung am Strommarkt vom Endpreis nur ein Viertel aus. Der Rest sind Steuern, Umlagen und Netzentgelte.

Hier ein Überblick über die wichtigsten Faktoren für die aktuell hohen Energiepreise:

Steigende Nachfrage: Mit der Erholung der Weltwirtschaft nach den langen Lockdowns zieht auch die Nachfrage nach Strom und Gas wieder an. Eine erhöhte Nachfrage führt zu höheren Preisen.
Dunkelflaute: Der nasskühle Sommer und der dann folgende Winter mit wenig Wind haben für eine geringere Stromproduktion aus erneuerbaren Energien im Vergleich zu den Vormonaten gesorgt. Erschwerend hinzu kommt der stockende Ausbau von Windkraft- und Photovoltaikanlagen. Immerhin hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck einen deutlich beschleunigten Ausbau versprochen.
Abgaben: In Deutschland haben Steuern, Entgelte und Umlagen einen hohen Anteil an den Energiepreisen. Die CO2-Abgabe verteuert fossile Energieträger wie Erdgas und Erdöl. Zudem haben die vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland eine Preiserhöhung für dieses Jahr angekündigt. Allerdings fällt die Erhöhung bei dem für Sachsen und Brandenburg zuständigen Betreiber 50Hertz mit drei Prozent relativ gering aus. Dafür wird die EEG-Umlage weiter sinken, in diesem Jahr von 6,5 auf 3,72 Cent pro Kilowattstunde, bis sie ab 2023 ganz wegfallen soll.
Geopolitik: Politische Entscheidungen in den Erdgasförderländern haben Einfluss auf die zur Verfügung stehende Gasmenge und damit auf die Preise. Eine schnelle Inbetriebnahme der Ostseepipeline Nord Stream II könnte die angespannte Lage auf dem europäischen Gasmarkt kurzfristig entspannen. Das ist aber derzeit nicht in Sicht.

Wer es genauer wissen möchte, dem empfehlen wir einen Blick in das lausebande-Archiv. Die Gründe für die turbulenten Entwicklungen am Energiemarkt haben wir in der Novemberausgabe 2021 ausführlich erläutert: zum Beitrag.


Die CO2-Abgabe wird die Kosten für das Heizen in den kommenden Jahren weiter steigen lassen. Grafik: www.heizspiegel.de

Wie die Preisentwicklung weiter geht, ist derzeit unsicher. Einige Fachleute rechnen mit einer Entspannung am Energiemarkt bis spätestens Mitte 2022, andere erwarten weiter steigende Preise. Die tatsächliche Entwicklung hängt davon ab, wie es bei den eingangs genannten Faktoren weitergeht. Wie schnell wird die Gasleitung Nord Stream II in Betrieb gehen? Wie viel Strom können Wind und Sonne in den kommenden Monaten liefern? Wird der Energiehunger der Weltwirtschaft anhalten oder stabilisiert sich die Nachfrage bald auf dem vor-Corona-Niveau?