Teil 8 – „Höre die Stille“ Wie fange ich an
„Kann man Stille überhaupt hören?“ Bedeutet Stille nicht eher, kein Geräusch, kein Klang, kein Ton? Wie kann man dann Stille hören?
In unserem heutigen Alltag ist es schwer, sich einen Ruhepunkt zu schaffen. Unser ganzes Leben wird von den verschiedensten Geräuschen begleitet. Das Piepsen, wenn der Gurt im Auto noch nicht angelegt ist, die Waschmaschine, die lautstark signalisiert, dass das Programm beendet ist, die verschiedensten Varianten der Klingeltöne unserer Handys, Warnsignale beim Öffnen der Türen der Straßenbahn, und ..und. Auch beim Einkaufen werden wir von vielen Klängen und Geräuschen begleitet. Musik, die uns anregen soll zu verweilen und einzukaufen, Werbedurchsagen, die uns auf besondere Waren aufmerksam machen sollen, Musiktitel, welche uns z.B. Sendungen ankündigen (Werbung, Filme, Nachrichten,…). Möglicherweise ist diese Dauerberieselung durch die verschiedensten Medien (Radio, Fernsehen, i-Pot, MP 3-Player), ein Grund dafür, dass das bewusste Horchen bzw. Hineinhorchen uns so schwer fällt. Wir haben gelernt, zu überhören. Wo so viele akustische Reize auf das Gehör treffen, kann es, zum eigenen Selbstschutz, nur mit einer gewissen Abstumpfung reagieren.
Tatsächlich wird ein großer Teil der alltäglichen Geräusche und der uns im Alltag begleitenden Musik in verschiedensten Formen eher unbewusst als bewusst wahrgenommen. Auch Worte, welche an uns gerichtet werden, können spurlos an uns vorbei gehen. Dies zeigt sich auch in Gesprächen zwischen Erwachsene bzw. Erwachsenen und Kindern sowie zwischen den Kinder n. Auch wenn äußerlich ein scheinbares Zuhören gezeigt wird (Blickkontakt, zustimmendes Nicken,…)wird innerlich abgeschaltet oder eine andere Tätigkeit gemacht wie z.B. Zeitung lesen, Geschirrspüler ein- bzw. ausräumen, ein Gespräch am Telefon nebenbei führen u. ä.. Im Nachhinein stellt sich oft heraus, dass man sich nicht erinnern kann, was der andere gesagt hatte oder dadurch wichtige Informationen verloren gegangen sind. Was und wie kann jeder etwas dafür tun, sich wieder mehr zu öffnen und sich, vor allem auch für sich selbst, zu sensibilisieren? Dazu gibt es einfache Möglichkeiten, sich selbst wieder zu sensibilisieren und sein Gehörsinn zu schärfen. Viele dieser Übungen sind gemeinsam mit Ihren Kindern gut umsetzbar. Kennen sie noch das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“? Wie wäre es mal mit „Ich höre was, was du nicht hörst“! Hier einige Übungsbeispiele.
- Augen schließen, Ohren öffnen
Um sich besser auf das Hören konzentrieren zu können ist es sinnvoll andere Sinne auszublenden. Beim Hören betrifft es insbesondere das Sehen. Wenn wir die Augen schließen, haben wir so die Möglichkeit den Hörsinn mehr zu verfeinern. Setzen sie sich auf einen Stuhl in Ihrer Wohnung, schließen sie die Augen. Was hören sie? Achten sie genau auf alle akustischen Signale die sie empfangen. Was passiert, wenn sie auf diese Weise lauschen? Werden diese Geräusche dadurch deutlicher oder verändern sie sich? Hören sie Klänge, welche sie zu Beginn gar nicht gehört haben? Diese Übung könne sie auch mit einem Partner oder ihren Kind/ Kindern durchführen. Sie können sich gemeinsam zu Hause, im Garten, im Park oder im Wald setzen und sich ganz auf die Geräusche der Umwelt konzentrieren. Sie können sich auch durch einen Übungspartner durch den Raum/ Ort führen lassen und konzentrieren sich nur auf das Lauschen der umgebenen Geräusche und Klänge. - Den Klängen der Natur lauschen
Vogelstimmen erkennen kann gerade in der jetzigen Jahreszeit sehr spannend sein. Manche Vögel zwitschern sehr eindringliche Melodien, andere kann man richtig kommunizieren hören (Ruf- und Antwort-Singen). Lauschen sie auf die vielfältigen Geräusche des Windes. Sicherlich habe sie z.B. schon einmal in der Vergangenheit gehört, wie der Wind durch Türritzen pfeift. Horchen sie auf das Rauschen und Rascheln der Bäume und ihrer Blätter oder das Plätschern des Wassers an einem See, dem Donner eines Gewitters, das Quaken eines Frosches, den Klängen von Regetropfen und vieles mehr.
Sind sie mit den Klängen der Natur vertrauter, könne sie auch kleine Lauschübungen auf ihrem eigenen Körper, ihre Atmen aus dehnen. Auch das gegenseitige Hören z.B. von Bauchgeräusche oder des Herzschlages,…kann recht spannend sein. Auf diese Art und Weise haben sie die Chance viel über sich selbst zu erfahren, sich mehr zu vertrauen und achtsamer mit sich selbst umzugehen. Dazu aber in meiner nächsten Ausgabe mehr.





